Sie befinden sich auf: Geschichten

Geschichten

Arbeiten statt Sitzen

„Ich will arbeiten und nicht sitzen“, das war das wichtigste Anliegen, das Mohamad Zekkak aus Syrien bei der ersten Begegnung  mit unserem Verein „Bürger für Integretion und Asyl St. Leon-Rot“ in gebrochenem Deutsch eindringlich vortrug. Mohamad Zekkak ist eher ein zierlicher Mann mit feinem Humor, dem man die harte Arbeit als Maurer nicht ansieht. Sein Statement „Ich bin Maurer und brauche Arbeit, “ wiederholte er bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit, egal ob im Deutschunterricht, bei Festen, Sprechstunden der Sozialarbeitern und bei jedem von denen er sich erhoffte, ihm bei der Jobsuche behilflich zu sein. Und er wurde bald fündig: Die Firma Pflasterbau Jung in St. Leon-Rot hatte sich bei der Deutschlehrerin Ute von Hahn gemeldet und mitgeteilt, dass sie einen Mitarbeiter suchen. Mohammed zögerte nicht, auch wenn die Arbeit nicht ganz seiner Berufserfahrung entsprach, sagte sofort einem Praktikum zu und hatte wenig später den Job! 

Seither sind viele Menschen ein bisschen glücklicher: der Unternehmer Herr Jung, der einen zuverlässigen, kompetenten Arbeiter gefunden hat, Mohammad, der nun sein „eigenes Geld verdient“ und damit den Führerschein finanzieren konnte und Fadia, die auf ihren Mann, der einer der ersten mit einer Festanstellung war, stolz ist und ihn unterstützt, wo es geht.

Von Idlib nach St. Leon-Rot

Bis es soweit war, hatte die Familie Zekkak einen weiten Weg von etwa 3.500 km von  Idlib im Nordosten Syriens nach St. Leon-Rot zurückzulegen.Im September 2015 als der Krieg in Syrien schlimmer wurde und immer mehr Bomben fielen wurde ihnen die Wohnung, in der er lebte, von heute auf morgen gekündigt. Ziemlich verzweifelt machte er sich mit seiner Frau und seinen vier Kindern Chahd (damals 2,5 Jahre), den Zwillingen Alaa und Shimaa (1,5 Jahre) und dem Säugling Rafif auf den Weg in Richtung Türkei. Zunächst mit dem Auto, das er unterwegs verkaufen musste, und später mit Bus, Boot und weite Strecken zu Fuß, kam er über die klassische Balkanroute Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich nach Deutschland.

Vieles haben sie dabei erlebt mit ihren vier Kleinkindern, die weite Strecken getragen werden mussten, dazu das Gepäck und die Unsicherheit, wo man die nächste Nacht verbringen wird und woher die nächste Mahlzeit kommen wird. 

Gutes wie Schlechtes können sie von Ihrer Flucht berichten. In Griechenland auf der Insel Samos gestrandet, half ihnen ein junger Mann, die älteste, damals 2jährige Tochter auf der 7-Stunden-Laufstrecke zwischen Landgang und nächstem Sammelpunkt zu tragen. Mit dieser Erinnerung verbindet die Familie sowohl eine große Dankbarkeit, da sie es ohne Hilfe nicht geschafft hätte, als auch einen großen Schrecken. Wenn Fadia Zekkak die Geschichte erzählt, kann sie auch heute kaum die Tränen zurückhalten: „Der junge Mann war sehr viel schneller als wir. Wir mussten die drei kleineren Kindern tragen und hatten auch Gepäck dabei. Irgendwann haben wir die beiden nicht mehr gesehen.  Wir hatten große Angst, dass wir Chard nie mehr wieder sehen.“ Nach mehreren Stunden Fußmarsch fanden sie sie wohlbehalten in einer Kirche, in der sich alle Flüchtlinge auf der Route trafen, weil es dort Wasser und Lebensmittel gab, wieder. Ein Erlebnis, das sie wohl nie vergessen werden und das in die Familiengeschichte eingeht.

Herbst 2015 war die Zeit, als die große Flüchtlingsbewegung Europa erreicht hatte. Das traf nicht bei allen europäischen Nachbarn auf Verständnis. So wurde die Familie, die manche Nacht auf einem Pappkarton auf dem Gehweg übernachten musste, nachts mit Wasser bespritzt und weggejagt. An anderen Orten, wie in Österreich wurden sie von hilfsbereiten Menschen mit nach Hause genommen und zum Essen, Duschen, Übernachten eingeladen und am nächsten Tag mit dem Auto weitergefahren.

Alles in allem hatte die junge Familie Glück, alle sind schließlich wohlbehalten in Mannheim angekommen und verbrachten die ersten Wochen im Benjamin Franklin Camp und wurden von dort aus dann nach Edingen-Neckarhausen verteilt. Im September 2016 durften sie aus der Gemeinschaftsunterkunft, in dem sie ein Zimmer bewohnten, ausziehen, da das fünfte Kind, die kleine Elien, unterwegs war. 

Inzwischen sind sie angekommen, in der Gemeinde, die Kinder sind im Kindergarten, Chahd kommt im Herbst in die Schule, Mohamad arbeitet, Fadia kümmert sich um die Kinder und einen Schrebergarten, der ihnen unentgeltlich von einer „Roterin“ überlassen wird. Fadia ist eine starke Frau, sie macht ihren Führerschein und „schmeißt zuhause den Laden“. Fadia war in Idlib selbständig als Näherin – das würde sie auch in Deutschland gerne wieder machen, sobald die kleine Tochter im Kindergarten ist und sie einen Integrationskurs besucht hat. Derzeit geht sie regelmäßig in den Deutschkurs der BIA.  „Fünf Kinder sind in Syrien eine eher kleine Familie“ erzählt sie lachend „ich habe 14 Geschwister und mein Mann 10 – das kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen.“ „Nach Syrien können wir nicht wieder zurück“, so Fadia, sie gehören zur religiösen Konfession der Sunniten, die von Assad-Milizen nach wie vor tyrannisiert werden. „Frauen, die in Europa waren, werden zudem vom IS bedroht, da sie „frei“ gelebt haben.“ „Wir hören immer wieder, dass in unserer Heimatstadt Menschen verschleppt und erschossen werden. Keiner weiß warum und alle Leute haben Angst. Wir möchten hier in Deutschland bleiben“, fügt Mohammad hinzu.

Ein Arbeitsplatz bei Jung Pflasterbau

Das hofft auch der Chef der Pflasterfirma Jung. Er hat es noch keinen Tag bereut, Mohammad eingestellt zu haben und schätzt ihn als Mitarbeiter und Mensch. „Mohammad ist immer interessiert und will täglich etwas dazu lernen. Und das hat er auch „egal ob im Tief- und Straßenbau, ob bei Pflasterarbeiten oder Mauerbau, er gibt immer sein Bestes und arbeitet genau, ist pünktlich und macht einfach einen guten Job. Ich bin sehr zufrieden“, sagt Herr Jung überzeugt.

Er und seine Frau haben auch privat Kontakt und besuchen die Familie ab und zu zuhause: „Die Wohnung ist immer tipptopp, nur leider viel zu klein für die 7köpfige Familie.“ Das ist auch ein Punkt, der den Eltern auf dem Herzen liegt: „Wir fühlen uns in der Gemeinde sehr wohl und bekommen Unterstützung von vielen Seiten. Aber auf Dauer können wir nicht in der etwa 80qm-Wohnung bleiben. Wir wünschen uns eine drei bis vier Zimmer-Wohnung oder am liebsten ein älteres kleines Haus mit einem kleinen Garten. Ich könnte vieles selbst renovieren.“

So bleiben am Ende doch einige Wünsche offen:

Die Familie benötigt ein neues Zuhause und Herr Jung wünscht sich: „einen Zwillingsbruder von Mohammad, den ich sofort auch einstellen würde“, sagt er mit einem Schmunzeln und betont noch einmal, dass er „es auch genauso meint“. 

Wir suchen weitere Paten

Dass Familie Zekkak in St. Leon-Rot so gut zurecht kommt, ist zum einen der Firma Jung aber auch den ehrenamtlichen Paten zu verdanken. Zunächst erhielten sie tatkräftige Unterstützung durch ein junges Ehepaar. Als sich bei den beiden weiterer Nachwuchs einstellte, sprang immer mehr Erika Ebel ein, die der Familie seither mit Rat und Tat zur Seite steht und zugleichauch die Arbeit der ca. 35 Patinnen und Paten mitkoordiniert. Je mehr Schultern diese Aufgabe tragen, umso einfacher: Wir suchen immer noch Patinnen und Paten für Familien oder Einzelpersonen. Sie können sich nichts unter dieser Arbeit vorstellen? Dann melden Sie sich doch einfach unter Patenschaft@asyl-st-leon-rot.de. Wir klären gerne auf.

 

BUFDI bei der Tagespflege in St. Leon-Rot

Als wir Ehrenamtliche Abdulrahman Alzein im November 2016 kennen lernen durften, machte der 24-jährige junge Mann zunächst noch einen leicht verlorenen, eingeschüchterten Eindruck. Damals war er gerade ganz neu in St. Leon-Rot in der Gemeinschaftsunterkunft „im Schiff“ angekommen, nach einer langen Odyssee durch den Nahen Osten und Europa. Heute findet er sich jedoch gut zurecht und macht einen sehr aufgeschlossenen, wenn auch etwas vorsichtigen Eindruck. Als Bundesfreiwilligendienstleistender bei der Tagespflege in St. Leon-Rot hat er einen Job gefunden, der ihm Spaß macht.

Doch wie kam er überhaupt nach St. Leon-Rot? Abdul  -wie die meisten ihn nennen-  lebte früher in der syrischen Stadt Hama. Diese liegt an der Fernstraße zwischen Aleppo und Damaskus. Der Fluß Orontes (auf arabisch Nahr al-ʿAsi), eine der großen syrischen Wasseradern, der aus dem Libanon kommend bis in die Türkei fließt, sorgte schon immer dafür, dass Ackerbau in der Gegend um Hama möglich war. Manche Ausgrabungsspuren lassen sich bis auf die Altsteinzeit datieren. Mit ihren Vororten zählt die Stadt heute etwa 550 000 Einwohner, 2013 waren es Abduls Angaben zufolge noch ca 800 000.

Was es bedeutet,in Syrien Widerstand gegen die Regierung zu leisten, das bemerkten die Bewohner Hamas bereits unter der Herrschaft von Hafiz al-Assad, der das Land vor seinem Sohn Baschar von 1970 bis 2000 weitgehend diktatorisch regierte. Ein Aufstand einer Gruppe von Oppositionellen führte im Jahr 1982 zu einem massiven Beschuss der Stadt durch die Armee. Schätzungen zufolge starben bei dieser Bombardierung – dem „Massaker von Hama“ 20-30 000 Menschen. Große Teile der Stadt wurden damals zerstört. 2011 begann die „syrische Revolution“ mit friedlichen spontanen Protesten der Bevölkerung in Syrien. Die Proteste, die Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Gerechtigkeit forderten, ebenso wie ein Ende der Repression und Korruption, erfassten kurz darauf das ganze Land. Bereits 2011 rückten syrische Streitkräfte gewaltsam in Hama ein, es kam zu zahlreichen Todesopfern. Landesweit starben seither Hundertausende, Millionen von Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben oder suchten Zuflucht in verschiedenen Teilen der Welt.

(Quelle: Abdulrahman und Wikipedia)

Der Syrienkonflikt hat sich von einem regionalen Konflikt zu einer internationalen Krise entwickelt, zahlreiche Groß- und Regionalmächte sind in verschiedenen Allianzen daran beteiligt. Viele lokale Gruppen kämpfen mit den verschiedensten Interessen gegeneinander oder nebeneinander, je nach Region und ethnischer Zusammensetzung der Bevölkerung sind die Beteiligten jeweils andere. Trotzdem ist für Abdul der Hauptakteur dennoch der syrische Präsident Assad. Auf die Frage, gegen wen dieser kämpfe, folgt in seiner Antwort überraschenderweise nicht etwa eine bestimmte Milizengruppe oder ein fremdes Land, sondern „gegen uns, gegen die Menschen“, so Abdul. 

Als die Konflikte in Hama, wo er nach der Schule als Verkäufer für Textilien gearbeitet hatte, unerträglich wurden, verließ Abdul im Jahre 2013 Syrien im Alleingang in Richtung Türkei. Dort konnte er aber ohne Kenntnisse der türkischen Sprache keinen Fuß fassen, Sprachkurse gab es nicht und die große Zahl der syrischen Flüchtlinge sorgte zudem dafür, dass er keine Arbeit fand. Nach einem Jahr versuchte er es daher in Saudi-Arabien. Auch dort war essehr schwierig. Zum einen gab es dort durch die große Zahl der Flüchtlinge kaum Arbeitsmöglichkeiten, zum anderen war die Stimmung in der Bevölkerung sehr negativ -besser gesagt „rassistisch“- gegenüber den Flüchtlingen, erklärt Abdul. Weil eine Rückkehr nach Syrien wegen der Kriegszustände nicht möglich war, startete er einen weiteren Versuch auf ein Leben in Frieden und Würde in Europa. Über die „Balkanroute“ via Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn kam er zu Fuß, teilweise auch mit dem Bus oder mit dem Auto und erreichte Deutschland im Juli 2015, als einziger aus seiner Familie.

Seit seiner Ankunft in Deutschland war er in verschiedenen Städten untergebracht: Nach Nürnberg kam er eine längere Zeit in Meßstetten unter, dann ein ganzes Jahr in Walldorf, bis er schließlich nach St. Leon-Rot zugeteilt wurde. Kontakt zu seiner Familie besteht noch, wenngleich sie auch überall verstreut leben: Der Vater ist bereits vor Ausbruch des Kriegs verstorben, seine Schwester hat geheiratet und lebt inzwischen in Dubai. Die Mutter hat erneut geheiratet und ist mit ihrem neuen Mann in die Niederlande geflohen, ein Onkel ging nach Stockholm. In Hama geblieben sind nur die Oma und eine Tante, für die eine Flucht zu beschwerlich gewesen wäre.

Dem Sprachkurs beim Internationalen Bund in Heidelberg folgte gleich die Tätigkeit als Bundesfreiwilligendienstleistender bei der Tagespflege in St. Leon-Rot. „Die Arbeit macht mir Spaß“,  berichtet er. Neben der Verpflegung der älteren Gäste in der Tagespflege gehört auch die allgemeine Betreuung und Begleitung zu seinen Aufgaben. Wolfgang Frühwirth, der Leiter der Tagespflege, war zuvor auf die Gemeinde zugegangen, weil die Stelle für einen „BufDi“, dem Ersatz für den früheren „Zivi“ (Zivildienstleistender) noch offen war. Mit Unterstützung einer unserer ehrenamtlichen Patinnen konnte das Beschäftigungsverhältnis daher im Juli 2017 angebahnt werden. Zur vollsten Zufriedenheit auch von Wolfgang Frühwirth: „Abdul hat eine ruhige, angenehme, respektvolle und sehr freundliche Art, mit den hilfsbedürftigen Menschen umzugehen, er lernt schnell, denkt mit und erledigt seine Arbeit ordentlich und sorgfältig.“

In seiner Freizeit hört er gerne Musik, liest oder schaut Filme. Wie geht es nun weiter mit Abdul? „Ich möchte gut deutsch lernen und ich möchte glücklich leben.“ Die B-1 Prüfung hat er bereits bestanden, nach der Zeit als „Bufdi“ möchte er das B-2-Niveau absolvieren. Das sind seine aktuellen Ziele, die er nach Möglichkeit ab Herbst 2018 auch in einer Ausbildung als Alten- oder Krankenpfleger oder einem anderen sozialen Beruf realisieren möchte, wenn das „Bufdi-Jahr“ im Juni diesen Jahres wieder endet. Gerne möchte er dafür in St. Leon-Rot bleiben, wo es ihm gut gefällt: „Die Leute hier sind sehr freundlich und sehr viele helfen uns Flüchtlingen. Vielen Dank dafür.“ 

Natürlich ist es auch den vielen Ehrenamtlichen zu verdanken, dass die Entwicklung von Abdul so gut verlaufen ist. Nach wie vor haben viele unserer Flüchtlinge Bedarf für noch ein bisschen mehr Unterstützung. Wenn Sie sich also für diese Arbeit interessieren, wenden Sie sich einfach an patenschaften@asyl-st-leon-rot.de oder telefonisch an 0177/31 87 127 – wir geben gerne weitere Informationen und freuen uns über jede Hilfe. Auch für Interessierte mit nur wenig Zeit haben wir sicher eine passende Unterstützungstätigkeit.

 

Patenschaft - ein Erfahrungsbericht

Gabi Dörflinger ist eine von über 30 Paten, die in in der BIA Geflüchtete persönlich begleiten und bei der Integration unterstützen. Hier ein kleiner Erfahrungsbericht darüber, wie eine "Patenschaft" gelebt werden kann und wie beide Seiten profitieren.

Wie alles begann 

Als die ersten neuen Mitbüger aus Afghanistan nach St. Leon-Rot kamen, habe ich begonnen, mich zu engagieren. Zuerst vor allem mit Deutschunterricht. Dabei habe ich Jawad kennengelernt, der obwohl er bereits zwei Jahre in Deutschland war, fast kein Wort sprechen und so gut wie nicht lesen und schreiben konnte. Er hatte bis dato nicht die Möglichkeit, einen Deutschkurs zu besuchen, da diese nur für Menschen aus Ländern mit guter Bleibeperspektive möglich waren. Jawad nutzte aber jede Möglichkeit und kam regelmässig in den ehrenamtlichen Unterricht, war hochmotiviert und man konnte wöchentlich seine Fortschritte beobachten.

Wir haben damals viele Gespräche - mit Übersetzungshilfen, Gestik und Mimik, geführt, über seine Geschichte, seine Familie, die er mit 14 Jahren zum letzten Mal gesehen hat, und über die er auch heute nichts weiß, sowie seine Flucht und sein Leben und seine Probleme in Deutschland. Dabei haben wir uns besser kennengelernt, er kam oft zu uns nach Hause und hat mich und meine Familie besucht. Wir haben ihn damals bei seinem Asylverfahren unterstüzt, dabei einen Deutschkurs zu finden und bei all den kleinen alltäglichen Fragen und Schwierigkeiten. Inzwischen ist Jawad ein Freund der Familie und hat es geschafft, sich in St. Leon-Rot zu integrieren. Er macht eine Ausbildung zum Bäcker bei der Bäckerei Goetzmann, hat eine eigene Wohnung und hat viele Kontakte hier im Ort. Fast jeder in unserem Verein kennt ihn und viele Menschen haben dazu beigetragen, dass er seinen Weg gehen kann.

Was Patenschaft für mich bedeutet

Jeder Pate hat seine eigene Philosophie und Schwerpunkte, wo er helfen möchte und natürlich auch seine eigene Grenzen. Außer Jawad betreue ich drei weitere Geflüchtete. Für mich bedeutet die Patenschaft vor allem, Starthilfe zu geben und dabei zu unterstützen, hier selbständig gut leben zu können. Das bedeutet, sie beim Deutschlernen zu unterstüzen, eine Ausbildung oder Job zu finden und zu erkläen, was für das Leben hier in Deutschland wichtig ist. Das sind für mich persönlich die Schwerpunkte meiner Arbeit. Die Anfangszeit ist meist sehr anstrengend und mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, der sich aber in der Regel schnell lohnt und auch irgendwann wieder weniger wird. 

Was mich motiviert

Die meist gestellte Frage unserer neuen Mitbürger ist: wie komme ich an Arbeit oder wie kann ich eine Ausbildung machen. Zumindest ist das die Erfahrung, die ich gemacht habe. Wenn jemand so motiviert ist, ist es meist gar nicht so schwer, behilflich zu sein. Adhanom aus Eritrea z.B. absolviert gerade sein erstes Ausbildungsjahr als Mechatroniker an einer Berufsschule, spielt im Verein Volleyball und ist in der katholischen Kirche aktiv. Abdulrahman aus Syrien hat eine Arbeit in einem metallverarbeitenden Betrieb in St. Leon-Rot gefunden. Dabei hoffe ich, dass auch er noch den Weg in eine Ausbildung findet, wovon er nicht leicht zu überzeugen ist, da er bereits eine Festanstellung hat. Da er bereits seit jungen Jahren für seinen jüngeren Bruder sorgt, hat er früh große Verantwortung übernommen und geht seinen eigenen Weg, was man akzeptieren muss. Auch die beiden Brüder haben eine eigene Wohnung gefunden, planen den Führerschein zu machen und unterstützen die Eltern, die in der Türkei leben.

Meine Erfahrung ist, dass sich die meisten Geflüchteten bemühen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren und die wenigsten wollen vom Staat abhängig bleiben. Das sind gute Voraussetzungen und für mich als Pate eine Motivation, weiterzumachen. Man sieht einfach direkt, was man tut und viele kleine Hilfen fruchten schnell, so dass man immer wieder positive Erlebnisse hat.

Der Zeitaufwand

Das ist natürlich sehr unterschiedlich, je nach Mensch und je nachdem ob man eine Familie oder Einzelperson unterstützt. Die Erfahrung zeigt, dass die Anfangszeit zeit- und arbeitsintensiver ist und man nach und nach weniger Hilfestellung geben muss. Außerdem ist das sehr gute Netzwerk unseres Vereins "Bürger für Integration und Asyl e.V". und die sehr gute Arbeit der Hauptamtlichen der Gemeinde eine Riesenhilfe. Das heißt, man muss nicht alles alleine stemmen. Deutschunterricht, Vermittlung in Vereine, Freizeitangebote, Hilfe bei der Wohnungsausstattung oder Begleitung bei Arztbesuchen bietet unser Verein. Das sehr engagierte  Gemeindeteam unterstützt u.a. bei der Vermittlung in Integrationskurse, Suche nach Arbeit, Hilfe bei Antraegen usw. So ziehen viele an einem Strang und man hat als Pate immer noch jemanden in der Hinterhand, der mithilft.

Warum ich diese Arbeit gerne mache

Ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren sehr viel dazu gelernt, unter anderem auch, eigene Vorurteile abzubauen. Ich habe Menschen aus anderen Kulturen kennengelernt und gesehen, wie sie hier ankommen und nach all den schrecklichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, aufblühen. Ich habe gesehen, wie Kinder und Erwachsene, die traumatisiert sind, wieder lachen können und sich auf ein neues Leben einlassen. Ich habe gelernt, welchen Stellenwert Familie und auch Religion in anderen Kulturen hat und bin der Meinung, dass wie in Deutschland davon einiges wieder lernen können. Manches ist in unserer hektischen Zeit bei uns verloren gegangen. Ich habe einige sehr traurige Momente erlebt und auch sehr viele glückliche und befreiende und viele Erlebnisse, die zeigen, dass sich der Einsatz lohnt. Meine ganze Familie ist involviert und unterstützt mit, das ist auch schön zu sehen, wie ein ganz unkomplizierter Umgang mit "Fremden" möglich ist.

Außerdem habe ich mir selbst oft gewünscht und gehofft, dass unser Sohn, der ein Jahr in England und China verbracht hat, auch vorurteilsfrei und offen von den Einheimischen aufgenommen und behandelt wird. 

Warum wir weitere Paten suchen

Wir wünschen uns, dass alle Familien und Einzelpersonen eine persönliche Hilfe an ihrer Seite haben. Jeder Neubürger profitiert davon und findet viel schneller den Weg in unsere Gesellschaft. Wenn Sie gerne eine Patenschaft übernehmen möchten, sei es für eine Familie oder Einzelperson, dann schreiben Sie einfach eine Mail an: patenschaft@asyl-st-leon-rot.de

Foto: Hier waren einige Paten und Verpatete gemeinsam bei einem Konzert im Mannheimer Nationaltheater

 

März 2018

Die Familie Alhussein ist angekommen

Familie Alhussein kommt aus dem Osten Syriens. Sie führten in der Stadt Deir ez-Zor ein gutes Leben im eigenen Haus, bis der Krieg ausbrach. Die Stadt weist mit fast 300 000 Einwohnern in etwa die Größe Mannheims auf, ist die sechstgrößte Stadt Syriens und Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Deir Ez-Zor. Wegen ihrer Lage am Euphrat ist die Stadt von fruchtbarem Boden umgeben, auf dem Getreide und Baumwolle gepflanzt werden. Erst mit Beginn der 1990er Jahre wurde Erdöl in der Umgebung der Stadt gefunden, seither hat sie sich zum Zentrum der syrischen Erdölförderung entwickelt, auch viele Arbeitsplätze entstanden, so etwa die von Papa und Mama Alhussein:

Vater Nasser arbeitete als Inspektor in einer Erdgasraffinerie und Mutter Yasmin war in einem Energieversorgungsunternehmen als Sekretärin tätig.

Zerstörung in der Heimat

Im syrischen Bürgerkrieg war die Heimatstadt stark umkämpft. Auf erste Proteste im Jahr 2011 antwortete die Regierung prompt:

Im August 2011 wurden Scharfschützen und Panzerverbände nach Deir ez-Zor verlegt, um die Aufstände Oppositioneller zu beenden. Anschließend führten Regierungstruppen und bewaffnete Aufständische einen jahrelangen Stellungskrieg in der Stadt. Ab Anfang 2013 machte sich auch eine neue Gruppe islamistischer Rebellen im Umland breit, der so genannte IS wollte das Gouvernement Deir ez-Zor künftig auf der Grundlage der Scharia regieren. Oppositionelle Beobachter berichten, dass der IS im August 2014 etwa 700 Angehörige des regionalen Stammes der Scheitat, darunter 600 Zivilisten gefangen genommen und getötet hatten. Im Dezember 2014 kam es zu einem Selbstmordattentat auf dem Flughafen der Stadt.

Am 15. Januar 2016 begann der IS eine Offensive gegen die belagerte Stadt. Ein Teil der Stadt befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Händen des IS. Ende Januar 2016 zog der IS nach russischen Meldungen 2000 Kämpfer zusammen, um die Stadt ganz einzunehmen; die russische Luftwaffe flog Angriffe auf Stellungen des IS. In der belagerten Zone selbst kam es zu Todesfällen aufgrund von Unterernährung. Das UNO-Welternährungsprogramm unterstützte das Gebiet mit aus der Luft abgeworfenen Lebensmitteln. Ein im Mai 2016 gestarteter Gegenangriff der Regierung Syriens führte erst im November 2017 zur Einnahme der Stadt. (Quelle für diese Hintergrundinformationen: wikipedia).

Über die Türkei nach Deutschland

Familie Alhussein floh bereits 2015 aus dem Land, als die Kämpfe immer heftiger wurden. Relativ schnell gelangten sie zunächst in die Türkei. Dort waren die Perspektiven aber bescheiden: Viel zu viele Geflüchtete und kaum Arbeitsmöglichkeiten. Über die Türkei flohen sie daher weiter nach Europa, um die Balkanroute Richtung Mitteleuropa zu nehmen, auf der zu dieser Zeit noch Tausende den Weg ins sichere Europa suchten. Nach Stationen in Wertheim und Sinsheim kamen sie im November 2016 nach dem Abschluss des Asylverfahrens in St. Leon-Rot an. Dadurch, dass sie seither über unseren Vereinsräumen in der ehemaligen Metzgerei Speckert leben, sind sie immer nah dran am Puls der „BiA“ und bei vielen Aktionen mit dabei. Viele werden sicherlich Mutter Yasmin von ihrem Auftritt bei der Theatergruppe „Grenzenlos“ kennen, wo sie durch ihr selbstbewusstes Spiel und die große Bühnenpräsenz auffiel.

Mittendrin - Integriert in St. Leon-Rot

Auch die Kinder sind sehr gut in St. Leon-Rot angekommen. Der kleine Saleh lernt deutsch im Kindergarten wie eine zweite Muttersprache von klein auf. Ali und seine Schwester Seja haben dagegen trotz guter Fortschritte noch Probleme, in der Grundschule Schritt zu halten. Mit seinem älteren Bruder Abdullah, der die siebte Klasse der Gemeinschaftsschule besucht, spielt Ali Fußball beim FC Rot, was beiden großen Spaß macht. Seja singt im „Chörle“ der Parkringschule und war mit ihrer Mutter und ihren beiden jüngeren Brüdern auch bei unserem Chorprojekt im vergangenen Jahr mit viel Motivation und Lebensfreude am Start. Mama und Papa Alhussein arbeiten derzeit fleißig am Führerschein, bald dürfte es geschafft sein -  inzwischen sind es einige Flüchtlingseltern, die über einen Führerschein verfügen und so einen großen Schritt zu mehr Selbständigkeit schaffen. Als nächstes steht die Berufssuche an, wo für viele der Geflüchteten noch eine Sprachbarriere zu überwinden ist. Yasmin gelingt das schon sehr gut, als eine der ersten Geflüchteten in unserer Gemeinde wird sie bald die B2-Prüfung ablegen, diszipliniert besucht sie regelmäßig auch unsere ehrenamtlichen Kursangebote im Salero, längst kann man munter mit ihr über alle Themen diskutieren, gerne bringt sie sich mit ihrer Meinung ein. Vater Nasser muss dagegen noch ein bisschen mehr büffeln, ihm gelingt der Spracherwerb noch nicht so gut wie seiner Frau, aber auch er ist am Ball.

Familie Alhussein unterstützt regelmäßig auch unsere Helferinnen und Helfer im Laden, worüber wir uns sehr freuen. Umgekehrt findet Familie Alhussein auch vielfältige Unterstützung durch die BiA, so steht ihnen etwa eine ehrenamtliche Patin zur Seite. Unterstützung könnte die Familie jedoch noch beim Lernen gebrauchen. Falls sich jemand dafür begeistern könnte, Seja oder Ali ein bisschen zu unterstützen, wäre die Familie sehr dankbar, denn für die Hausaufgaben reicht das deutsch der Eltern dann doch noch nicht ganz aus.

Weitere Unterstützung gesucht 

Auch Patinnen und Paten suchen wir nach wie vor für Familien und Einzelpersonen, sie dienen als allgemeine Ansprechpartner und „Kümmerer“, können und müssen sich aber auch nicht um alles kümmern.

Für Fragen oder Interessierte an einer Patenschaft oder an einer Art Nachhilfemöglichkeit für eines der Kinder stehen wir gerne unter der Mailadresse patenschaft@asyl-st-leon-rot.de oder telefonisch unter 0177 31 87 127 zur Verfügung. 

 

November 2017

Arabisch-Crash-Kurs

Eine Sprache lernen in zwei Tagen? Jeder vokabelbüffelnde Schüler dürfte davon träumen und auch wir waren teilweise zunächst etwas skeptisch. Sprachtrainer Klaus Bylitza wirbt jedoch damit, dass er genau das möglich macht. 14 Sprachen hat er in seinem Programm – von den romanischen Sprachen wie Französisch oder Spanisch bis hin zu eher exotischen Idiomen wie Finnisch oder Japanisch. 

Arabisch ist die mit Abstand am häufigsten gesprochene Sprache unter unseren Flüchtlingen. Nicht nur die große Zahl der Flüchtlinge aus Syrien spricht arabisch, auch die nicht ganz so große Zahl derjenigen, die aus dem Irak nach St. Leon-Rot gekommen sind, sprechen arabisch, wenn auch teilweise mit verschiedenen Dialekten. Arabisch zählt mit ca. 500 Millionen Sprechern weltweit auch zu den Weltsprachen und rangiert derzeit auf Platz sechs.

Klaus Bylitza hat sich darauf spezialisiert, Sprachen möglichst schnell zu vermitteln. Dabei geht es gar nicht so sehr um die intensive Durchdringung der Sprache, sondern gewissermaßen um ein Startpaket, eine Art kleiner Werkzeugkoffer, den man dann in Eigenarbeit noch ausbauen kann. Oft sind es Manager in Unternehmen, die für ein Auslandsprojekt zumindest ein paar Grundbausteine für die Kommunikation benötigen – hier bietet sich der „Crashkurs“ an, um schnell ein paar Redewendungen für die einfache Kommunikation zur Hand zu haben.

Seit diesem Jahr (2017) ist das Angebot von Klaus Bylitza Teil des Portfolios von Dr. Gerhard Kellers Firma „IPP Process Playbook“. Die auf Unternehmens- und Prozessberatung ausgelegte Firma ist in St. Leon-Rot ansässig und versteht sich vor allem auf das Design und die Optimierung interner Prozesse in Unternehmen. Auf Grundlage des „Process Playbook“ (zu Deutsch in etwa Prozessstrategiebuch oder Prozessspielbuch) soll vor allem die Transparenz und klare Zuordnung von Zuständigkeiten in Unternehmen verbessert werden. Strukturen von kleinen und mittelständischen Unternehmen werden analysiert, dokumentiert und anschließend in einem iterativen Prozess optimiert. Schwerpunkt der Arbeit des promovierten Betriebswirtschaftlers und seinem Team ist dabei auch die Analyse der IT von Unternehmen.

In der Herangehensweise an Lösungsfindungsstrategien geht Gerhard Keller jedoch mitunter gerne neue Wege. So arbeitet man eng mit einem Golftrainer zusammen, um so Erkenntnisse aus dem Sport und dessen Strategien auf die Unternehmenswelt und -kultur zu übertragen. Genauso können Kunden des Dienstleistungsunternehmens auch den Service von Klaus Bylitza in Anspruch nehmen, sei es um unmittelbar bei Auslandsreisen davon zu profitieren oder aber um anhand des Konzepts Mitarbeiter darin zu schulen, den Fokus auf die entscheidenden Fragen zu richten, oder neue Herangehensweisen an Probleme zu erlernen. Die Tochter des Geschäftsführers, Ann-Kristin Keller, ist inzwischen schon eine ganze Weile ehrenamtlich bei uns als Patin und als Deutschlehrerin aktiv. Um unsere Arbeit zu unterstützen, machte Gerhard Keller das Angebot, uns einen zweitätigen Crashkurs von Klaus Bylitza zu „spendieren“.

Das, was die Kurse ausmacht, der Fokus auf das Entscheidende, ohne sich in den Details zu verlieren, fiel mitunter schwer im zweitägigen Crashkurs: Kommt es doch gerade nicht darauf an, jedes Wort perfekt zu beherrschen oder 4 verschiedene Synonyme für ein Wort zu kennen, sondern Satzstrukturen zu verstehen und einige Elemente wirklich zu verinnerlichen, um erste Erfolge zu erzielen. Lässt man sich auf diese ungewohnte Strategie ein, stellt man doch recht bald fest, dass es funktioniert. Immer wieder haben die Teilnehmer in den zwei Tagen Muttersprachler, die zufällig vorbeikamen, in kleine Dialoge verwickelt und ihr schnell aufgesogenes Wissen angewandt, tatsächlich gelang es überraschend gut, einzelnen Gesprächen zu folgen und den Inhalt zumindest in Teilen wiederzugeben. Muttersprachler sind aus uns nicht geworden, aber Grundstrukturen sind im Kopf angelegt.

Unter den acht Kursteilnehmern waren vor allem auch einige ehrenamtliche Deutschlehrer unseres Vereins. Da die meisten unserer Arabisch-Muttersprachler leider kein Englisch als Brückensprache beherrschen, funktioniert die Kommunikation immer direkt auf dem Weg arabisch-deutsch, sodass es mitunter für das Unterrichten der deutschen Sprache hilfreich sein kann, die arabische Sprache ein bisschen zu verstehen. So steht im arabischen das Adjektiv (wie im Spanischen) hinter dem Substantiv. Das Verb „haben“ gibt es nicht, will man seinen Besitz ausdrücken greift man auf die Präposition „bei“ (xy ist bei mir). Bei Substantiven wird der Besitz durch eine andere Endung, nicht durch ein vorangestelltes Pronomen (wie bei uns mein, dein, sein) ausgedrückt. Noch so einige Kuriositäten durften wir im Verlauf des zweitätigen Marathons entdecken. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz und Klaus hatte viel Geduld mit uns und unseren bohrenden Fragen, er zog sein Programm souverän durch. Einige denken darüber nach, ihre Arabischkenntnisse weiter auszubauen, Herausforderung wird dabei etwa auch die Schrift sein, die im Crashkurs keine Rolle spielte, hier wurde „nur“ mit lateinischen Schriftzeichen in Lautschrift operiert, alles ist dann doch nicht in zwei Tagen möglich!

Wir bedanken uns herzlich bei Familie Keller und der Firma IPP Process Playbook für dieses großzügige Angebot sowie bei Klaus Bylitza für seinen Einsatz.

 

September 2017
Die Flucht aus dem Irak vor dem IS

Wie eine einzige Horrorgeschichte liest sich der Anhörungsbogen des BAMF von Familie Al Oebeidi. Des Öfteren bekommen wir Ehrenamtliche diese Dokumente von den Geflüchteten ausgehändigt, selten beschreiben sie aber einen solchen Albtraum, wie ihn diese Familie erlebt hat.

Das Leben im Irak

Familie Al Oebeidi kommt aus der Provinzhauptstadt Ramadi der Provinz Anbar im Irak, etwa 100 km westlich von Bagdad am Euphrat gelegen. Zunächst lebte Vater Rayad mit seiner Frau und den beiden Söhnen dort ein gutes, beschauliches Leben. Gemeinsam mit den Großeltern lebten sie im Eigenheim. Als selbständige Kaufleute führte die Großfamilie ein Damen- und Kinderbekleidungsgeschäft, man verfügte so über ein gutes Einkommen und die Familie hatte keine finanziellen Sorgen. Rayad war neben der Unterstützung im elterlichen Betrieb auch für die irakischen Sicherheitskräfte tätig. Alles änderte sich, als der IS ab 2013 auch die Stadt Ramadi unter seine Kontrolle brachte. Anfangs waren es nur einige Viertel der 270.000-Einwohner-Metropole, so konnte Familie Al Oebeidi, nachdem ihr Haus bombardiert worden war, zunächst noch in einer Unterkunft in einem anderen Stadtviertel unterkommen.

2015 meldete der IS dann jedoch die vollständige Eroberung der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt war die Familie bereits geflohen. Schon mit dem ersten Anrücken der IS-Milizen wurde verkündet, dass alle Männer sich der Organisation anzuschließen hätten, das kam für Rayad überhaupt nicht in Frage. Hinzu kam, dass der Vater durch seine Tätigkeit für die irakischen Sicherheitsdienste erpresst wurde und mit der Entführung von Familienmitgliedern gedroht worden war – kurzzeitig hatten Islamisten den jüngeren Sohn tatsächlich in seiner Gewalt. Nur hohe Zahlungen konnten die Freigabe ermöglichen. Ein Verbleib in der Heimatstadt war aber undenkbar. Als dann noch das Haus bombardiert worden war, war für die Familie klar, dass sie verschwinden mussten, Anfang 2014 verließen sie die Stadt. Erste Zuflucht war die Landeshauptstadt Bagdad. Während man hier jedoch früher relativ unbehelligt einreisen konnte, gab es nun massive Probleme. Seit die Regierung von Saddam Hussein gestürzt wurde, ist zum einen die Sicherheitslage im Irak ein Problem, zum anderen kommen interkonfessionelle Konflikte auf einmal massiv zum Vorschein, auch weil paramilitärische Gruppen wie etwa iranische Milizen gewaltig mitmischen und den Religionskonflikt befeuern, um strategische Interessen durchzusetzen. „Früher war das mit den Konfessionen gar kein Problem. Wir sind Sunniten, aber viele Verwandte haben Schiiten geheiratet“, so Rayad. Jetzt war es so, dass ein Arzt uns wegschickte, weil wir aus der sunnitischen Provinz Anbar kamen.“

Auf der Flucht vor dem IS

Auf der Flucht aus Ramadi wurde das Fahrzeug der Al Oebeidis beschossen, Mama Zaiaan warf sich schützend vor die Kinder. Während Rayad eine Streifschuss abbekam, wurde die Mutter mehrfach ins Bein getroffen. In Bagdad wurde die Wunde widerwillig und unzureichend versorgt, widersprüchliche Meinungen der Ärzte sorgten dafür, dass eine eigentlich notwendige Operation ausblieb. Erst in Deutschland konnte die Wunde nun letztendlich fachgerecht versorgt werden, ein Trümmerbruch im Bein musste gerichtet werden.

Die Sicherheitslage in Bagdad, das heute als eine der gefährlichsten Städte der Welt gilt, ließ bei der Familie den Entschluss reifen, nach Kurdistan im Norden des Landes zu fliehen, wo die Situation zunächst besser war. Willkommen waren sie dort aber auch nicht. Tief sitzt das Misstrauen der Kurden gegenüber den irakischen Arabern. Schon unter Saddam waren sie nach Aufständen unterdrückt worden und auch die neue irakische Zentralregierung hat nun die Finanzierung des Landesteils eingestellt. „Sie geben den Arabern das zurück an Diskriminierung, was die Kurden in Bagdad erlebt haben“, stellt Rayad traurig fest. Nur mit Hilfe internationaler Organisationen wie des roten Halbmondes konnte sich die Familie über Wasser halten.“ Wir sahen aber wegen der immer noch nicht verheilten Verletzung meiner Frau und der fehlenden Schulbildung meiner Kinder keine Zukunft in Kurdistan.“ Nach etwa 8 Monaten flohen sie daher weiter in die Türkei, unterwegs halfen sie noch einem alleinreisenden 12-jährigen Kind, das sie in Izmir der UN übergaben. Von der Türkei aus reisten sie weiter nach Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich, entlang der damals noch geöffneten Balkanroute, bis sie im Oktober 2015 mit der großen Flüchtlingswelle in Deutschland ankamen.

Die Kriegswirren haben die Familie auseinandergerissen, die zuvor sehr eng zusammen gelebt und gearbeitet hatte: Ein Bruder Rayads war bereits im Irak verstorben, ein anderer floh nach Schweden. Während der Vater schon 2005 gestorben ist, lebt die Mutter von Rayad zunächst noch im Irak, bis auch sie in die Türkei flüchtete, wo sie inzwischen leider schwer erkrankt ist. Der nach Schweden geflohene, überlebende Bruder ist nun zu ihr gereist um sich um sie zu kümmern.

Eine Rückkehr ist aktuell jedenfalls nicht denkbar: „Im Irak gibt es nichts mehr. Mein Leben ist in großer Gefahr. Unsere Familie, insbesondere meine Frau stünde unter einem großen psychischen Druck“, so Papa Rayad.

Das Leben in Deutschland

Nach Stationen in etwa in Eppelheim und Reilingen kam die Familie im Dezember 2016 nach St. Leon-Rot. Dort haben sie sich inzwischen sehr gut eingelebt, vor allem dank der Hilfe zweier tatkräftiger Paten, die die Familie in allen Belangen unterstützen, am Anfang eine doch anstrengende Aufgabe, da die Arzttermine der Mama koordiniert werden mussten, inzwischen geht es ihr zum Glück soweit gut und die Wunden sind verheilt, wenn auch Narben bleiben. Die Söhne Mohammad und Ahmad gehen in unserer Gemeinde zur Schule und sind begeisterte Fußballspieler beim VfB.

Für Rayad war es bisher nur schwer möglich, einen Sprachkurs zu belegen, da er sich wegen der Gesundheit seiner Frau um viele Angelegenheiten alleine kümmern musste. Die schwerwiegenden Knieverletzungen durch Schüsse, die inzwischen eine dritte Operation nötig machten, scheinen nun aber endlich gut zu verheilen, sodass sich Rayad nun mit Feuereifer in den Spracherwerb stürzen kann, motiviert ist er jedenfalls. Den Führerschein hat er ebenfalls schon erworben. Beruflich kann er sich vor allem eine Tätigkeit bei der Polizei oder einem privaten Sicherheitsdienst vorstellen, da er hier schon einschlägige Berufserfahrung hat. Darauf hat er sich aber nicht festgenagelt: „Hauptsache etwas zu tun und ein eigenes Einkommen.“

 

 

Juli 2017
Ehab aus dem Irak

Ehab ist unter „unseren“ Flüchtlingen gewissermaßen ein Exot: Die Mehrheit der Menschen, die bisher nach St. Leon-Rot zugeteilt worden sind, sind Muslime aus Syrien oder aus dem Irak und Afghanistan. Eine kleinere Gruppe von Geflüchteten aus Syrien und Eritrea bekennen sich zu einer christlichen Konfession. Ehab dagegen ist Mandäer. Nur etwa 200 000 Anhänger dieser Glaubensüberzeugung leben weltweit und sind gerade im nahen Osten vielfach der Verfolgung ausgesetzt. Ganz grob erklärt gibt es Bezüge zum Juden- und Christentum, allerdings wird die zentrale Gestalt des Christentums, Jesus Christus, nicht als Messias anerkannt und dagegen Johannes der Täufer als zentrale Person verehrt.

Im Koran gelten die abrahamitischen Religionen Judentum und Christentum – aber auch die Mandäer - als so genannte „Buchreligionen“, sie sind zu respektieren und ihre Angehörigen sind zu schützen, das und die tatsächlich gelebte Toleranz der verschiedenen muslimischen Herrscher im Nahen Osten über Jahrhunderte hinweg erklärt auch, warum heute noch sehr viele Christen und andere Religionen wie eben auch die Mandäer in den Ländern des Orients leben, während im mittelalterlichen Europa andersgläubige regelmäßig von den christlichen Herrschern verfolgt wurden. Leider ist von dieser Toleranz heute in einigen Ländern des Nahen Ostens nur noch wenig zu spüren.

Speziell für sein Heimatland, den Irak, erklärt Ehab die Situation sehr anschaulich. Dem relativ säkularen Regime von Saddam Hussein könne man Vieles vorwerfen, viele Kriege gehen auf sein Konto, er habe jedoch innenpolitisch dafür gesorgt, dass die verschiedenen Religionen und Ethnien im Irak gleichberechtigt koexistieren können. „Wir waren damals sicher, niemand hat nach der Religion gefragt.“ Mit dem Einmarsch von Amerikanern und Briten endete die Ära Saddam, das Machtvakuum, das entstand, ist bis heute nicht geschlossen. „Wenn ihr hier in Deutschland ein Problem habt, ruft ihr die 110 an. So eine Nummer gibt es im Irak heute gar nicht mehr. Es gibt keine Sicherheit.“ Warum ausgerechnet die Angehörigen seiner Religion sehr oft Opfer von Angriffen und Verbrechen werden, sieht Ehab darin begründet, dass Viele die Mandäer für Juden halten, da sie ursprünglich aus dem Gebiet Palästinas stammen und Elemente des Judentums in ihrem Glauben enthalten sind. Die Feindschaft zahlreicher arabischer Staaten mit Israel und der Nahostkonflikt machen die Mandäer daher völlig grundlos zur lebenden Zielscheibe. „Viele, die nicht geflohen sind, sind gestorben,“ bemerkt Ehab traurig.

Seine Familie ist daher auch überall verstreut, einige Onkel und Tanten leben beispielsweise in Nürnberg, wo es eine große mandäische Gemeinde gibt. Die Mutter ist zu ihrem neuen Freund nach Amsterdam gezogen, die Schwester lebt mit ihrer Familie in der Türkei – wo der Vater derzeit ist, ist ihm nicht bekannt, die Eltern leben schon längere Zeit getrennt. Trotz seiner jungen Jahre ist Ehab recht selbständig, etwas anderes blieb ihm aber - auf sich alleine gestellt - kaum übrig. „Ich bin hier ja ganz alleine, das erste Mal ohne die Eltern.“

Ehab interessiert sich sehr für Geschichte und Politik und diskutiert auch gerne über die politische Situation im nahen Osten. Auch für die deutsche Politik interessiert er sich, mit Spannung verfolgte er erst jüngst das TV-Duell Merkel gegen Schulz. Er lacht gerne und geht offen auf Menschen zu, wobei natürlich Vieles neu ist: So ist es im Irak etwa gesellschaftlich nicht gestattet, junge Frauen einfach offen anzusprechen. „Da bekommst du große Probleme mit der ganzen Familie.“ Diese gesellschaftlichen Gepflogenheiten gelten für alle, gleich welcher Religion. Beziehungen werden vorwiegend durch die Eltern gestiftet. Sich zwanglos mit Frauen zu unterhalten war daher für Ehab eine neue Erfahrung in Deutschland.

Ehab nutzt die Angebote der BiA gerne, regelmäßig kommt er in die Deutschkurse um an seinen Sprachkenntnissen zu feilen, die immer besser werden. Wie ein Schwamm saugt er neue Worte auf und versucht auch immer, die grammatischen Strukturen hinter der Sprache zu durchdringen.

Viel hat dazu auch beigetragen, dass er im Sommer mit zwei anderen Geflüchteten an Michas Kiosk am St. Leoner See gearbeitet hat, wo er viele Leute kennen lernen konnte und auch immer im Gespräch war. Stolz präsentiert er vor allem seine neu erworbenen Dialektkenntnisse: „Uffbasse!“ oder „Wart mol!“ ist aus seinem Vokabular kaum wegzudenken. Ehab hat im Irak Abitur gemacht, in Deutschland strebt er zunächst aber eine Ausbildung an, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Gemeinsam mit den Ehrenamtlichen und den Sozialarbeitern in der Gemeinde sucht er daher nach Ausbildungsmöglichkeiten – demnächst startet er ein Praktikum bei einem örtlichen Friseurbetrieb, worauf er sehr gespannt ist.

Ehab organisiert sehr viel alleine und weiß inzwischen, an wen er sich mit welchen Anliegen wenden muss. Er benötigt daher kaum „Betreuung“. So selbständig sind – vor allem anfangs – nicht alle. Wir suchen daher immer nach Patinnen oder Paten, die sich ein bisschen um das Ankommen in St. Leon-Rot kümmern. Falls Sie Interesse haben, wenden Sie sich gerne an patenschaften@asyl-st-leon-rot.de. Gesucht werden aktuell auch Paten für Familien, die der Hilfe besonders bedürfen.

 

„Ohne Fleiß keinen Preis!“....

Juli 2017

..... dieses klassische Sprichwort hat Yemane schon im Deutschkurs gelernt und gibt es gerne zu Besten, wenn einer seiner Freunde aus Eritrea ins Nörgeln verfällt. Der 25-jährige selbst versucht es in seinem Alltag zu beherzigen, wenn er etwas anpackt, dann mit dem nötigen Antrieb. So war er früh und auf eigene Faust schon in Berufsberatungsstellen der Caritas in Mannheim, um herauszufinden, wie er am besten am Arbeitsmarkt Fuß fasst. Yemane hatte in Eritrea, seinem Herkunftsland bereits in der schulischen Oberstufe ein mehrmonatiges Praktikum in einer Schreinerwerkstatt absolviert und wollte gerne in einem holzverarbeitenden Beruf arbeiten. Noch in den Ferien seines Deutschkurses gelang es seinen ehrenamtlichen Paten ein Praktikum in einer Schreinerei zu absolvieren, sehr zur Zufriedenheit des Firmeninhabers, der auf die Frage nach der Zukunft gerne bereit war, Yemane für die verpflichtende Berufsfachschule als Vorstufe zur Schreinerausbildung zu übernehmen, so gut hatte er sich im Betrieb eingebracht.

Yemane ist mit mehreren Geschwistern in Eritrea aufgewachsen. Das relativ kleine Land im Osten Afrika ist seit Jahren in einem Konflikt mit dem großen Nachbarn Äthiopien, viel Wert legt der seit 1993 diktatorisch regierende Präsident des Landes auf die Verteidigung, so weit ist das noch nachzuvollziehen. Der obligatorische Militärdienst ist allerdings grundsätzlich unbegrenzt, wenn man Glück hat, kann man nach wenigen Jahren die Armee verlassen, wenn nicht, bleibt man Jahrzehnte und ist der Willkür der Vorgesetzten ausgeliefert. Dabei wird die Armee nicht nur zu Militärzwecken, sondern auch zu zivilen Zwecken wie dem Straßenbau eingesetzt, der Militärdienst ist daher eher mit staatlich angeordneter Zwangsarbeit vergleichbar, vor der viele junge Eritreer mangels Perspektive fliehen – hinzu kommt die angespannte Menschenrechtslage. An Presse gibt es beispielsweise nur eine staatlich kontrollierte Zeitung. Willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Viele der aus Eritrea Geflohenen wollen nicht über die Zustände in ihre Heimatland reden, aus Angst vor dem Geheimdienst.

Traurig macht ihn der Kontakt zu seiner Mutter, die immer erklärt, wie alleine sie doch sei. Ein Bruder lebt inzwischen in den USA, seine Tante in Heppenheim. Besser wäre es in Eritrea aber auch nicht: zwei seiner älteren Brüder sind beim Militär gelandet, sie sieht die Mutter genauso selten.

Yemane kam nach der Flucht durch Afrika über das Mittelmeer nach Deutschland, eine sehr beschwerliche Reise, über die er auch nicht gerne redet. Ein Freund, der ihn nach einem Schlangenbiss längere Zeit getragen hatte, starb im Sudan – Erfahrungen, die noch lange bedrücken. In Deutschland angekommen war er zunächst in Hechingen und Messstetten untergebracht, bis er schließlich nach Schwetzingen kam. Der Empfang dort hat ihn zunächst erschüttert, war doch die lokale NPD aufmarschiert um gegen die Asylpolitik Stimmung zu machen – es müssen Szenen wie in Clausnitz gewesen sein, nur nicht ganz so heftig und ohne Kamera. Aber auch die andere Seite Deutschlands lernte er in Schwetzingen kennen: Kurz nach den Flüchtlingsgegnern erwarteten ihn Ehrenamtliche zu einem Willkommensfest in der Unterkunft. Mit einer Ehrenamtlichen, quasi der „Mama“ aller Eritreer in Schwetzingen, ist er nach wie vor in Kontakt.

In St. Leon-Rot gefällt es Yemane sehr gut, er besucht regelmäßig die ehrenamtlichen Sprachangebote und macht gute Fortschritte. Bei unserem Sommerfest gestaltete er gemeinsam mit Adhanom einen Vortrag über sein Heimatland, souverän und gut verständlich. Auch bei einem Vortrag im Privatgymnasium kam er schon zum Einsatz. Als Ausgleich zum Lernen spielt er bei der Volleyballgruppe des ASV mit.

Riesenglück hatten er und sein Freund Biniam bei der Wohnungssuche: Eine ältere Dame aus St. Leon kam auf die BiA zu, mit dem Angebot ihre Dachgeschosswohnung zu vermieten. Im Gegenzug wünschte sie sich aber jemanden, der ihr ein bisschen im Haushalt hilft, da ihr Mann nach einem Schlaganfall viel Pflege benötigt. Seit Dezember nun wohnen die beiden bei dem Ehepaar und greifen unter die Arme, wo Hilfe gebraucht wird, seit dem Frühjahr wird im Gemüsegarten gewerkelt, vieles davon ist inzwischen geerntet. Die Vermieterin ist jedenfalls sehr erfreut über die beiden und für alle ist das Zusammenleben ein Gewinn.

Ohne seine ehrenamtlichen Paten hätte Yemane wohl nicht alles geschafft, was er inzwischen erreicht hat. Wenn auch Sie Interesse an dieser Aufgabe haben, dann fragen Sie doch einfach bei patenschaften@asyl-st-leon-rot.de an – viele stellen sich die Aufgabe komplizierter vor als sie ist, wir informieren gerne.

 

Juni 2017
Keine Zukunft als Kanonenfutter

Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge, die derzeit in St. Leon-Rot leben, sind aus Syrien. Viele Familien mit Kindern, aber auch einige alleinstehende junge Männer. Einer von ihnen ist Samer, seit September lebt der 32-jährige in unserer Gemeinde.

Samer (Foto rechts) kommt ursprünglich aus Damaskus, wo ein Teil seiner Familie heute noch lebt. Nach der „High School“ arbeitete er einige Jahre in verschiedenen Unternehmen in der Modebranche, für unterschiedliche internationale Kleiderkonzerne in verschiedenen Ländern, etwa auch in Saudi-Arabien. In den jeweiligen Firmen hat er sich vom Verkäufer über den Filialleiter bis zum Regionalleiter für das Marketing einer jeweiligen Marke hochgearbeitet.

Weil die Lebenshaltungskosten dort stark gestiegen waren, zog es ihn zurück nach Syrien, wo er wieder Arbeit fand. Leider fingen nur wenig später die „Probleme“ an, so beschreibt Samer das Entstehen des Bürgerkriegskonflikts. Eine erneute Rückkehr in die Golfstaaten war nicht mehr möglich, weil diese ihre Grenzen für Flüchtlinge recht bald dicht machten, ein entsprechender VISA-Antrag für Saudi-Arabien, wo einer seiner Brüder lebt, wurde abgelehnt.

Damaskus ist zwar verglichen mit den Hauptkriegsschauplätzen relativ sicher, da sich die Hauptstadt in den festen Händen der Assad-Regierung befindet – regelmäßig kommt es heute aber auch in der Umgebung von Samers Elternhaus zu Bombeneinschlägen. Warum dennoch fliehen, obwohl ein Teil seiner Familie noch dort ist? Vor allem aus folgendem Grund: Samer war während des zweijährigen Pflichtwehrdienstes vor einigen Jahren zum Scharfschützen ausgebildet worden, es war klar, dass er mit Ausbruch der Kämpfe bald an den jeweiligen Fronten zum Einsatz kommen müsste. Warum hat er sein Heimatland nicht verteidigt, in der Armee gedient? Eine vielleicht berechtigte Frage, aber für den Syrienkonflikt leicht zu beantworten. Wer steht für das Vaterland? Die Regierung unter Präsident Assad, die Proteste gewaltsam niederknüppelt und zahlreicher massiver Kriegsverbrechen beschuldigt wird? Die fanatischen IS-Kämpfer, die Samer selbst als „völlig verrückt“ bezeichnet? Oder die stark dezimierte Rebellengruppe der so genannten „freien syrischen Armee“? Noch viel mehr verschiedene Gruppen aus dem eigenen Land kämpfen in dem verworrenen Konflikt, jeweils unterstützt von verschiedenen Staaten der Region oder der ganzen Welt. Samer wollte nicht als Kanonenfutter enden. Die Familie drängte den jüngsten Sohn zur Flucht.

Warum Deutschland? „Wir wurden ja regelrecht in Richtung Türkei gezwungen, weil viele arabische Nachbarländer entweder schon völlig überfüllt waren oder keine Flüchtlinge aufgenommen haben,“ und auch in der Türkei oder in Griechenland war dann die Situation nicht besser. Es war immer sehr gefährlich, einen Platz zum Schlafen habe ich meist nur auf der Straße gefunden“. Auf der Flucht half Samer auch zwei älteren Männern, die er später aber aus den Augen verlor. Ursprünglich wollte er nach Holland, blieb dann aber in Deutschland, Hauptsache in Sicherheit. Es begann das Verteilungsverfahren: Von München kam Samer in Einrichtungen nach Hechingen, Messstetten und schließlich die Gemeinschaftsunterkunft in Walldorf, wo er ein Jahr lebte, bis er nach St. Leon-Rot kam.

Samer sagt selbst, erst seit er in St. Leon-Rot ist, fühlt er sich, als wäre er in Deutschland angekommen. „Vorher hätte ich auch in Syrien oder in Gambia sein können.“ In den großen Gemeinschaftsunterkünften sind die Flüchtlinge meist unter sich, Kontakt besteht im Glücksfall zu Ehrenamtlichen oder Sozialarbeitern. In St. Leon-Rot hat Samer guten Anschluss gefunden, er macht einen Deutschkurs in Heidelberg und inzwischen schnelle Fortschritte, seit er begriffen hat, dass er nur mit guten Deutschkenntnissen einen Job finden wird. Beworben hat er sich bereits bei den einschlägigen Modeketten in Deutschland, Absagen waren bisher nur mit den fehlenden Sprachkenntnissen begründet, an denen er aber nun intensiv arbeitet. 

Weil er sehr gut englisch spricht, haben zwei junge Leute aus St. Leon-Rot Samer für ein „Sprachtandem“ deutsch-arabisch begeistern können: Jeden Donnerstag lernen die beiden Deutschen die Weltsprache arabisch (ca 450 Millionen Sprecher), während Samer gleichzeitig immer wieder Neues auf Deutsch lernt, ein Gewinn für beide Seiten. Englisch dient als Vermittlungssprache, ist aber inzwischen schon nur noch selten nötig.

Seit Kurzem arbeitet Samer auch bei Michas Kiosk am St. Leoner See. Gemeinsam mit mehreren anderen Flüchtlingen hilft er dort als Aushilfe, sehr zur Zufriedenheit von Chef Micha Herold, der für dieses Jahr noch Aushilfen suchte und daher auf die BIA zukam. Für Samer eine sinnvolle Beschäftigung und gleichzeitig eine weitere Möglichkeit, viel Deutsch zu sprechen. Wir drücken die Daumen, dass es bald mit einem „richtigen“ Job klappt!

 

 

Mai 2017
 "Vielen Dank an alle Menschen in Deutschland und in St. Leon-Rot"

Die sechs-köpfige Familie Almatar kennt eigentlich in unserer Initiative fast jeder. Das liegt zum einen daran, dass sie im Haus der ehemaligen Metzgerei Speckert wohnen, dem jetzigen BIA Salero und dadurch zwangsläufig Kontakt zu vielen Ehrenamtlichen haben, zum anderen aber, weil sie selbst auch sehr oft und sehr gerne an vielen Aktivitäten teilnehmen.

Die Familie stammt ursprünglich aus Homs, einer relativ zentral in Syrien gelegenen Stadt, nach Damaskus und Aleppo die drittgrößte Stadt des Landes mit rund einer Million Einwohnern. Homs war einer der ersten Brennpunkte im syrischen Bürgerkrieg, bereits in den Jahren 2011 wurde die Hochburg des Protests gegen die Assad-Regierung im Gegenzug Ziel massiver Angriffe der syrischen Armee. Ein Angriff mit Panzern am 3. Februar 2012 kostete etwa laut Oppositionsangaben über 200 Menschen in Homs das Leben. Gleich zu Beginn der Auseinandersetzungen floh Familie Almatar in den benachbarten Libanon. Heute liegt ihre frühere Existenz buchstäblich in Trümmern: Das Haus, das sie sich für ihre Familie aufgebaut hatten, ist vollständig zerstört. Das Land, das die Brüder und Eltern des Familienvaters landwirtschaftlich (Landwirtschaft und Bauernhof mit Viehwirtschaft) betrieben haben, wurde enteignet.

Im Libanon ist es für Familien allerdings noch schwieriger als für Einzelpersonen. Staatliche Hilfe für Flüchtlinge wie in Deutschland gibt es so gut wie gar nicht. In den großen Flüchtlingslagern sind die Bewohner von den Hilfeleistungen internationaler Organisationen abhängig –diese wurden sogar deutlich zurückgefahren, weil viele der internationalen Geldgeber ihre Zahlungen kürzten, einer der Gründe für die große Flüchtlingsbewegung nach Europa. Papa Ahmad bemühte sich um Arbeit und betätigte sich unter anderem als LKW-Fahrer. Flüchtlinge stehen allerdings in der Hierarchie der libanesischen Gesellschaft auf der allerletzten Stufe, damit sie arbeiten können, müssen sich Arbeitgeber für sie verbürgen, berichtete uns Ahmad. Zudem ist das Land mit 4 Millionen Einwohnern anhand der Zahl von etwa einer Million syrischer Flüchtlinge schlichtweg überfordert, Schulbildung für die Kinder sei sehr schwer möglich. Wo es anfangs noch gelang, irgendwie zurecht zu kommen, stieg mit den Flüchtlingszahlen die Verzweiflung, bis Familie Almatar irgendwann entschied, ihr Heil in Europa zu suchen, der kleine Abdullah war damals erst 3 Monate alt. Deutschland hatten sie ausgewählt, weil der Bruder von Mama Nadja bereits in Stuttgart war. Über die Türkei gelangte die Familie über die Balkanroute – mal zu Fuß, mal mit dem Bus - in die Slowakei, von dort wurden Familien und Notfälle in einem Sonderzug nach Berlin gebracht, wo sie im Dezember 2015 ankamen. Von hier wiederum ging es weiter nach Stuttgart, anschließend in eine Gemeinschaftsunterkunft in Sinsheim, bis sie schließlich in St. Leon-Rot landeten.

Bei uns haben sie sich sehr gut eingelebt. Mama Nadja kann wegen dem kleinen Abdullah noch keinen offiziellen Deutschkurs der VHS belegen, nutzt aber alle ehrenamtlichen Angebote der BIA und verblüfft dort immer wieder durch ihre guten Deutschfortschritte. Viel bringt sie sich zuhause selbst bei und setzt sich eisern dafür ein, die deutsche Sprache auch in ihrer Familie anzuwenden. Die Söhne Askar (8J.) und Jamal (10 J.) spielen Fußball beim FC Rot. Tochter Alrim (6 J.) wird in diesem Jahr eingeschult – über diese Tatsache ist Friedel Lörch, die Leiterin des Kindergartens St. Raphael selbst ganz erstaunt: „Oft müssen wir Kinder mit Migrationshintergrund ein Jahr zurückstellen, weil es am deutsch noch hapert. Alrim hat einfach in nicht einmal einem ganzen Jahr so gut deutsch gelernt, dass es problemlos möglich ist, sie ganz regulär einschulen zu können.“ Am leichtesten wird es der kleine Abdullah haben, mit seinen großen Augen beobachtet er seine Umgebung und sicher wird er bald auch auf deutsch losbrabbeln.

Ahmad (32J.) macht derzeit ein Anerkennungsverfahren für seinen syrischen Führerschein. Nach seinem Integrationskurs im Mai/Juni diesen Jahres würde er gerne Praktika absolvieren, z. B. als KFZ-Mechaniker, Gas-/Wasser-Installateur oder Tischler. Sein Ziel ist es, im September 2018 eine Lehre zu beginnen. In Syrien war er auf dem Familienbetrieb ein „Allrounder“, der sowohl mit der harten Feldarbeit an sich, als auch mit den Erntetransporten zum Großmarkt beschäftigt war. Daneben hielt er den Fuhrpark in Schuss und hat durch die erlernten Grundkenntnisse in der Kfz-Reparatur gemerkt, dass sein Herz dafür schlägt, Kfz-Mechaniker zu werden. Im September 2017 würde er gerne die einjährige Bundesfreiwilligendienststelle in Teilzeit als Unterstützung des Hausmeisters der Gemeinde St. Leon-Rot antreten, die derzeit der Syrer Munzer Mahmoud ausübt.

Bereits jetzt hilft er derzeit den Sozialarbeiterinnen der Gemeinde auch bei ihren Sprechstunden als Dolmetscher und war in unserer Theatergruppe „GRENZENLOS“ aktiv. Er wollte auch unbedingt Gründungsmitglied in unserem Verein „BIA-Bürger für Integration und Asyl St. Leon-Rot“ werden, der in Bälde offiziell in Kraft tritt. Ahmads Frau Nadja (28J.) war in Syrien eine Art Hauswirtschafterin (Köchin, Näherin und mehr). Derzeit hat sie alle Hände voll zu tun, den Haushalt mit den vier Kindern zu schmeißen, ihre meisterlichen Kochkünste sind schon bekannt bei uns. Wann immer sie Zeit findet, kommt sie aber auch in unsere freiwilligen Deutschkurse.

Familie Almatar hat engagierte Paten, die sie im Alltag unterstützen, vermutlich ein Grund dafür, warum sie so schnell in St. Leon-Rot Fuß gefasst haben. Paten übernehmen eine sehr wichtige Aufgabe, sie sorgen dafür, dass Integration auch im Alltag wirklich klappt. Falls Sie das Ganze interessiert, weitere Infos gibt es unverbindlich unter patenschaften@asyl-st-leon-rot.de.

Man lernt bei der Aufgabe als Pate auch immer selbst viel Neues kennen, andere Sitten und Bräuche, andere Sichtweisen auf Dinge, stellt Gegebenheiten in unserer Gesellschaft in Frage oder lernt ihren Wert wieder zu schätzen. Gerade mit Familie Almatar ist ein Austausch immer interessant. Ihre Offenheit und Neugierde auch auf unsere Kultur und Tradition helfen sicherlich dabei, ebenso wie ihre sehr herzliche Art.

Auf die Frage, ob er sonst noch etwas sagen will, antwortete Ahmad am Ende des Interviews: „Es gefällt uns sehr gut hier. Vielen Dank an alle Menschen in Deutschland und in St. Leon-Rot. Wir sind alleine nach Deutschland gekommen, jetzt fühlen wir uns nicht mehr alleine, wir haben keine Angst mehr wie im Libanon. Meine Kinder können wieder schlafen, die schrecklichen Bilder in unserer Heimat verschwinden langsam. Es gibt Aufgaben und einen Tagesablauf. Und das tut uns allen sehr gut. Menschen in St. Leon-Rot haben sich um uns gekümmert. Viele sind für uns wie Geschwister. Vielen Dank!“

 

 

Februar 2017
Syrische Arztfamilie seit Kurzem in St. Leon-Rot

Und es gibt sie doch: Die anfangs von Wirtschaftsverbänden bejubelten Fachkräfte, die andererseits von Asylkritikern immer wieder vermisst wurden. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Syrien – und aus diesem Land kommen derzeit etwa 80 % der unserer Gemeinde bisher zugewiesenen Flüchtlinge -  hatte vor Ausbruch des Bürgerkriegs ein für den Nahen Osten recht gut ausgebautes Schulsystem, das in vielen Bereichen dem französischen Unterrichtungswesen angelehnt war, so reden Syrer auch von Baccalaureat, dem französischen Pendant zu unserem Abitur. Zugegeben: Der Ausbildungsstand ist sehr unterschiedlich, viele unserer Flüchtlinge hatten „einfache“ Berufe, waren Landwirte oder in der Baubranche tätig, es gibt aber durchaus auch Akademiker unter ihnen. Seit November ist mit Abdullah Ajaj nun auch ein Arzt in unserer Gemeinde wohnhaft, der studierter Mediziner ist und ein Approbationsanerkennungsverfahren in Heidelberg anstrebt, um in Deutschland praktizieren zu können.

Abdullah lebt mit seiner Frau Sanaa und seinen inzwischen 5 Kindern in St. Leon-Rot. Das älteste der Kinder ist erst 5 Jahre alt, die jüngsten, Zwillinge, gerade wenige Wochen. Da kann der erst 29-jährige Abdullah froh sein, dass der Familie noch sein Bruder Saad zur Seite steht, der 17 Jahre alt ist und das Gymnasium in Schwetzingen besucht. 2 der Kinder sind inzwischen im Kindergarten.

Das „alte Leben“ in Aleppo und Idlib

Abdullah hat in der inzwischen leider bis ins Unkenntliche zerbombten Stadt Aleppo Medizin studiert und anschließend an der Universitätsklinik der uralten Handelsmetropole 3 Jahre praktiziert, bis er sich als Gastroenterologe im etwa 50 Kilometer entfernten Idlib niedergelassen hat – seiner Heimatstadt. Zuvor, direkt nach dem Master, hatte er seine Frau Sanaa geheiratet. Auf die Frage, wann sie entschlossen haben, Syrien zu verlassen, antwortet er trocken: „Als das Nachbarhaus auf einmal weg war, wussten wir, es ist Zeit zu gehen.“ Die Region um Aleppo ist nach wie vor in der Hand Aufständischer, viele derjenigen, die Aleppo nach dem Sieg der Regierungstruppen verlassen hatten, haben sich nun in Idlib verschanzt, so dass hier die nächste Auseinandersetzung prophezeit wird.

Flucht und neue Hoffnung in Deutschland

Auch Abdullahs Bruder floh mit seiner Familie aus Syrien, nur die Eltern sind noch dort. „Sie wollen in ihrem Heimatland sterben“, erklärt der junge Vater. Das Anerkennungsverfahren an der Universität Heidelberg für eine ausländische Approbation dauert 9 Monate und enthält mehrere Prüfungen, für die Abdullah bereits heute viel büffelt, vor allem Sprachkenntnisse gilt es zu beherrschen, was ihm aber schon sehr gut gelingt. Für einige unserer anderen Syrer agiert er inzwischen als Dolmetscher.

Die Flucht der Familie führte über die Türkei nach Griechenland über den Balkan nach Deutschland. Zuerst kamen sie dort in die Landeserstaufnahme nach Karlsruhe, um über Stationen in Dortmund und Bruchsal schließlich in der Gemeinschaftsunterkunft in Schwetzingen zu landen. „Dort war es für uns mit den kleinen Kindern nicht so einfach, es gab insgesamt wenig Hilfe, weil so viele Flüchtlinge dort waren.“

Unterstützung durch die BIA – weitere Paten gesucht

In St. Leon-Rot nimmt die Familie die Unterstützung der BIA gerne an. Wir haben uns als Ehrenamtliche wegen der vielen Kleinkinder sehr früh um Unterstützung gekümmert und hatten das Glück ein ganzes Team an Ehrenamtlichen für diese Aufgabe gewinnen zu können: Eine in St. Leon wohnhafte Patin hilft ehrenamtlich im Sprachcafé in Wiesloch, einer seit langem bestehenden Einrichtung, bei der Ausländer - vorwiegend auch aus dem europäischen Ausland -  ihre Deutschkenntnisse beim regelmäßigen Austausch verbessern können. Aus ihrer Gruppe dort konnte sie drei weitere Frauen für die Arbeit als „Patinnen“ gewinnen: Jetzt kümmern sich zwei US-Amerikanerinnen, die schon länger in St. Leon-Rot leben und eine Spanierin aus Wiesloch gemeinsam mit der deutschen Sprachvermittlerin um die syrische Familie. Aus unserer Sicht wächst auf diese Weise sehr viel zusammen, Kontakte entstehen, die es sonst so möglicherweise nie gegeben hätte. Oft verstehen auch Migranten einfach viel besser, was es heißt, fremd und ganz neu in einem anderen Land zu sein.

Abdullah wird bei soviel Aufmerksamkeit fast schon unwohl, er legt Wert darauf, möglichst schnell selbständig leben zu können, ohne auf viel Hilfe angewiesen zu sein. Aber auch dann werden wir sicher Beschäftigung für unsere Paten finden – nach wie vor haben nicht alle Familien Paten – wenn Sie diese Aufgabe interessiert und Sie mehr Infos wünschen, wenden Sie sich einfach an patenschaft@asyl-st-leon-rot.de.

Unterstützung durch die BIA – weitere Paten gesucht

In St. Leon-Rot nimmt die Familie die Unterstützung der BIA gerne an. Wir haben uns als Ehrenamtliche wegen der vielen Kleinkinder sehr früh um Unterstützung gekümmert und hatten das Glück ein ganzes Team an Ehrenamtlichen für diese Aufgabe gewinnen zu können: Eine in St. Leon wohnhafte Patin hilft ehrenamtlich im Sprachcafé in Wiesloch, einer seit langem bestehenden Einrichtung, bei der Ausländer - vorwiegend auch aus dem europäischen Ausland -  ihre Deutschkenntnisse beim regelmäßigen Austausch verbessern können. Aus ihrer Gruppe dort konnte sie drei weitere Frauen für die Arbeit als „Patinnen“ gewinnen: Jetzt kümmern sich zwei US-Amerikanerinnen, die schon länger in St. Leon-Rot leben und eine Spanierin aus Wiesloch gemeinsam mit der deutschen Sprachvermittlerin um die syrische Familie. Aus unserer Sicht wächst auf diese Weise sehr viel zusammen, Kontakte entstehen, die es sonst so möglicherweise nie gegeben hätte. Oft verstehen auch Migranten einfach viel besser, was es heißt, fremd und ganz neu in einem anderen Land zu sein.

Abdullah wird bei soviel Aufmerksamkeit fast schon unwohl, er legt Wert darauf, möglichst schnell selbständig leben zu können, ohne auf viel Hilfe angewiesen zu sein. Aber auch dann werden wir sicher Beschäftigung für unsere Paten finden – nach wie vor haben nicht alle Familien Paten – wenn Sie diese Aufgabe interessiert und Sie mehr Infos wünschen, wenden Sie sich einfach an patenschaft@asyl-st-leon-rot.de.

 

Dezember 2016
Junge Familie auf der Suche nach Sicherheit – wir stellen Familie Ajamee vor

Seit September wohnt Familie Ajamee in St. Leon-Rot. Mama Irina, Papa Shadee und die beiden Kinder Raffaela (bald 1 Jahr alt) und Basel (3 Jahre).

„Eine ganz normale Familie“ – bis der Krieg kam

Irina bietet sich als Gesprächspartner optimal an, da sie viele Sprachen sehr gut spricht und daher für unser Interview keinen Dolmetscher braucht. Neben ihrer Heimatsprache Moldawisch, einer Abwandlung des Rumänischen, spricht sie Russisch und fließend Englisch, auch Arabisch beherrscht sie. Ursprünglich kommt Irina nicht aus Syrien, sondern aus Moldawien. Sie hat in Chișinău, der Hauptstadt Moldawiens, internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert. Wegen der wenig rosigen Wirtschaftslage und der politischen Probleme aufgrund des mit Russland bestehenden Transnistrienkonflikts ging sie auf der Suche nach Arbeit nach Istanbul in die Türkei. In dem Restauraunt, in dem sie dann zunächst Arbeit fand, lernte sie ihren Mann Shadee kennen, der dort als Koch angestellt war, aber ursprünglich aus Syrien stammt. Dorthin, in Shadees Heimatstadt Ain al-Fijah (ca. 4000 Einwohner), kehrte das junge Paar gemeinsam zurück und heiratete. Berühmt ist diese Stadt in der Peripherie der Hauptstadt Damaskus für die Karstquelle des Barada-Flusses, der eine wichtige Wasserader in der Region darstellt und auch durch die Hauptstadt fließt. Rund um den Fluss hat sich eine landesweit bekannte Gastronomieszene in der Kleinstadt angesiedelt, wo auch Shadee gute Arbeit finden konnte. „Wir waren eine ganz normale Familie, bevor der Krieg ausbrach“, sagt Irina. Irina ist griechisch-orthodoxer Konfession, Shadee Muslim.

Der Krieg zwingt die Familie zur Flucht

Während die Kampfhandlungen des Bürgerkriegs die syrische Hauptstadt durch die große dort stationierte Militärpräsenz eher verschonten, als andere stark umkämpfte Regionen, trifft das für die Peripherie nicht zu. Irina berichtet, dass die Häuser der beiden Brüder ihres Mannes komplett zerbombt worden sind. Das war für die Familie, die inzwischen mit Sohn Basel ersten Nachwuchs bekommen hatte, der letzte Warnschuss. Über den Libanon flohen sie durch die Türkei, Griechenland und den Balkan nach Deutschland. Ein Teil von Shadees Familie floh auch nach Algerien und lebt nun dort.

Angekommen in Deutschland

Warum Deutschland? „Es ist nicht einfach, wenn man überhaupt niemanden kennt, überhaupt keine Beziehungen hat. Ein Bruder von Shadee war aber bereits nach Deutschland geflohen, er lebt in Schwetzingen, sodass auch wir unser Glück versuchten“, erklärt Irina. Im Januar 2016 kam Familie Ajamee dann in der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen an, inzwischen mit der kleinen Raffaela, die auf der Flucht geboren wurde. „Es war sehr schwierig dort und sehr anstrengend. Nie hatte man Ruhe, immer war jemand am Kochen oder am Rauchen und wir hatten zwei kleine Kinder. Man konnte sich kaum bewegen“. Anschließend kam die Familie nach Sinsheim und von dort aus nach dem Abschluss des Asylverfahrens zur Anschlussunterbringung nach St. Leon-Rot.

Unterhält man sich länger mit Irina, wird es meist auch politisch. Wenig Verständnis zeigt sie etwa für einige arabische Nachbarländer Syriens, die eine Aufnahme von Flüchtlingen verweigern. „Shadee war sieben Jahre Koch in Dubai, bevor wir uns kennen lernten. Er kocht sehr gut. Aber nach Ausbruch der Kriegshandlungen in Syrien hat man dort niemanden mehr einreisen lassen.“ Sie selbst ist sehr ehrgeizig und will so schnell wie möglich deutsch lernen, was ihr dank ihres Sprachentalents auch sehr gut gelingt. „Für Shadee ist deutsch viel schwieriger als für mich“. Auch für den gesamten Syrienkonflikt empfindet sie nur Wut und Unverständnis: „Das ist für viele Akteure dort wie ein Spiel, nur, dass es die einfachen Leute bitter bezahlen müssen.“

Fast genauso wenig Verständnis hat sie für andere Asylbewerber, die aus ihrer Sicht manchmal mehr Eigeninitiative zeigen könnten. „Die Leute können nicht einfach nur warten, bis der Krieg aufhört, das weiß niemand“, lautet ihr Appell zur Integration.

Blick in die Zukunft

Shadee würde gerne in Deutschland wieder als Koch arbeiten, aber dazu müssen erst seine Deutschkenntnisse besser werden, woran er derzeit arbeitet. Irina selbst würde sehr gerne Sozialarbeiterin werden und dafür ein Praktikum bei der Gemeinde machen.

Sehr wichtig war es Irina in dem Gespräch ihre Dankbarkeit zu betonen und zwar einerseits für die Bereitschaft Deutschlands, Flüchtlinge aufzunehmen und ganz besonders auch für die Aktivitäten der BIA St. Leon-Rot. „Es gibt hier so viele gute Angebote, Unterricht, Aktionen für die Kinder und uns helfen schon so viele Menschen. Vielen vielen Dank.“

 

 

Dezember 2016
THEATER GRENZENLOS MIT GEFLÜCHTETEN

Das ist ja ein Ding: Ernas Baum nadelt und das in der Vorweihnachtszeit! Natürlich viel zu früh, um das Nadeln wortlos hinzunehmen. Aber so ist er eben, der Baum, der sich gehen lässt und macht, was er will bis er das soll, was er eigentlich wollte. Plötzlich NIX mehr, keine einzige Nadel fällt und alle sind beunruhigt und ratlos.

Um dieses außergewöhnliche Ereignis rankt sich das kurzweilige und witzige Theaterstück „Erna, der Baum nadelt!“, das am letzten Freitag im vollbesetzten Theaterzimmer Premiere hatte.

In Gestalt der erst seit wenigen Monaten bestehende Gruppe „GRENZENLOS“, bei der „Einheimische“ und Geflüchtete mitwirken, kooperieren die Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot und die Scheinwerfer ´87 in der aktuellen Theaterproduktion. Unter der Leitung von Endrik Ebel hatte dieses Ensemble nun die erste Premiere mit einer szenischen Lesung über Ernas Baum. Eine bunte Truppe von sieben Schauspielern aus Afghanistan, Eritrea, Frankreich, Italien, Syrien  und Deutschland fachsimpelt an dem Weihnachtsbaum „bis der botanische Notdienst“ kommt. Im vorwiegend von Erika Ebel vorgetragenen Text tauchen auch deutsche Dialekte auf, zwischendurch erschallen immer wieder Einwürfe in der Heimatsprache der Akteure.

Marius Sandritter, der Vorsitzende der Scheinwerfer, freute sich über das rege Interesse im vollbesetzten Theaterraum der Scheinwerfer und bedankte sich bei allen Aufführenden. Von Gabriele Dörflinger, der Sprecherin der Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot kam ebenfalls „ein großes Kompliment und Dank an alle Mitwirkenden.“ Ein Stück auf die Bühne zu bringen in wenigen Wochen mit Menschen aus sechs Nationen unterschiedlichster Sprachniveaus und ohne Schauspielerfahrung - das hielt sie, als sie davon gehört hatte, zwar nicht für unmöglich, so doch aber für sehr gewagt. Das Ergebnis aber überzeugte. Das Theaterprojekt decke sich sich optimal mit den Zielen der Bürgerinitiative: Die deutsche Sprache und Kultur vermitteln, Freizeitaktivitäten anbieten, Interkulturalität leben, Begegnungen zwischen Einheimischen und Geflüchteten schaffen und sich so kennen zu lernen, in die Gesellschaft zu integrieren.

Da die Premiere bis auf den letzten Platz besetzt war, wird ein zusätzlicher Termin angeboten. Zu sehen ist das Stück der Theatergruppe „GRENZENLOS“ unter der Leitung von Endrik Ebel sind am kommenden Wochenende gleich zwei Mal: 

Freitag  16.12. um 19 Uhr

Samstag den 17.12. um 15 Uhr

jeweils im Theaterzimmer der Scheinwerfer ´87 in der Kastanienschule in Rot. Der Eintritt ist frei.

 

 

Dezember 2016
DER NIKOLAUS IM SALERO

Der NIKOLAUS kam auch bei uns vorbei und hat uns allen, insbesondere natürlich den Kindern, eine große Freude bereitet. Er verteilte Geschenke, Mandarinen und Schokolade.

Fast alle "unsere" Kinder waren dabei sowie die Konfirmanden, die gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin Katharina Wendler, die Aktion geplant und durchgeführt haben. Jeder Konfirmand packte ein Geschenk ganz individuell für eines unserer Kinder aus Syrien oder dem Irak.

Herzlichen Dank an die evangelische Kirche, allen helfenden Händen der BI Asyl, der Bläsergruppe und ganz besonders unserem großartigen Nikolaus Albert!

 

Dezember 2016
Advent im Garten bei Arnholds





Wir hatten ein Power-Wochenende mit 

1. einem sehr gut besuchten Kinoabend in der evangelischen Kirche
2. einem stimmungsvollen, wunderbaren "Advent im Garten"
3. dem Rockfrühstück im JUZ

DANKE allen Mitwirkenden und Beteiligten:

Allen voran natürlich Dank an Andrea Arnhold und Ihrer Famlie, die hier einmal mehr zur Höchstform aufgelaufen sind. Unglaublich, was Ihr auf die Beine gestellt habt. 

Der weihnachtlich geschmückte Garten mit vielen Lichtern und Feuerstellen lud zum Schauen und Staunen ein. Im früheren Schuppen waren Weihnachtsmarktstände mit Karten, Gestecken, Kirschkernkissen, selbstgemachten Marmeladen und mehr aufgebaut. Und im Hof gab es einen Crepe- und Grillstand sowie Platz für die musikalischen Darbietungen. Viele St. Leon-Roter Alteingessene, Zugezogene und Neubürger waren gekommen und bestaunten, was es hier alles zu sehen, riechen, essen gab. Wir saßen noch bis tief in die Nacht zusammen bei lustigen und ernsthaften Gesprächen ums Lagerfeuer.

Danke an 
* unsere Spender von Naturalien (Elvira, Kuchenspenden, Brötchen von Bäckerei Götzmann), 
* die Fahrdienste (Silvia, Gerd, Jutta), 
* die Köche (Anna, Tanja, Endrik), 
* unserer Fotografin (Tanja Steger), 
* die musikalische Einlage von Ute, 
* den zahlreichen Helfern an und hinter der Theke 

sowie allen, die durch ihren Besuch und Ihre Geldspenden zum Gelingen beigetragen haben.

Fotos: www.absolutfotografie.de

 

 

Unsere HALLOWEEN-Kürbisaktion mit Sophia, Ayhan, Elfi und Andrea - einfach großartig !




 

So geht interkulturelle Kompetenz: Kleine und große Künstler aus aller Welt 

 






September 2016

In vielen Gemeinden finden bedingt durch den Flüchtlingszustrom derzeit zahlreiche interkulturelle Begegnungen statt: Menschen unterschiedlicher Kulturen arbeiten zusammen und schaffen etwas Neues. Dabei gelingt es ihnen, sich zu verständigen, Arbeitsschritte zu „besprechen“, sich abzustimmen und Spaß miteinander zu haben, auch wenn sprachliche Kommunikation aufgrund der teilweise geringen Deutschkenntnisse nur wenig möglich ist – so geschehen etwa in St. Leon-Rot bei einer Wandbemalung der Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot.

Die Außenmauer des Gebäudekomplexes erhielt bei der Aktion ein ganz neues Gesicht. Entstanden ist mit Unterstützung der Gemeinde St. Leon-Rot ein fast 50qm großes, farbenfrohes Kunstwerk, bemalt von etwa 50 kleinen und großen Künstlern aus Chile, Syrien, Afghanistan, Eritrea, Gambia und Deutschland.

Die Künstler Jacob Cortez Sanhueza, Victor Sepúlveda Villar und Eduardo Briones Ormeño aus Chillán (Chile) gestalteten gemeinsam mit in St. Leon-Rot untergebrachten Flüchtlingen, der Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot und weiteren Bürgerinnen und Bürgern die 25 m lange und bis zu 2m hohe Wand neu. Organisiert wurde die Aktion durch den in Mannheim lebenden Chilenen Pancho Mendez, der beim Anblick des in die Jahre gekommenen Anstrichs, der BI Asyl die Idee schmackhaft machte....weiterlesen hier....

 

August 2016
„Mein Sohn ist drei Jahre alt, meine Tochter halb fünf“

Sätze wie dieser sorgten immer wieder für Erheiterung im Rahmen unseres Sommerferien-Deutschkurses, beispielhaft ist etwa auch folgender Dialog: „Ich gehe jeden Tag einkaufen“, übt ein syrischer Familienvater einen Satz, worauf sein Nachbar sofort erwidert „er muss viel Geld haben“  „Nicht viel Geld, viele Kinder“, kommt als schlagfertiger Konter zurück.

Zwischen 10 und 15 Teilnehmer aller Altersstufen, Frauen, Männer und Kinder aus Afghanistan, Syrien und Eritrea kamen über vier Woche lang täglich zu diesem Angebot. Weil die VhS, andere freie Bildungsträger und die staatlichen Schulen in der Sommerzeit lange geschlossen sind, hat sich die Bürgerinitiative Asyl in St Leon-Rot entschlossen, ein eigenes Programm aufzusetzen, damit nicht alles bereits Erlernte gleich wieder in Vergessenheit gerät. Da viele unserer regelmäßig im Einsatz befindlichen ehrenamtlichen Lehrerinnen und Lehrer jedoch entweder berufstätig oder selbst urlaubsreif waren, musste auf andere Ehrenamtliche zurückgegriffen werden. Es gelang uns, insgesamt neun weitere Helfer für das Programm zu begeistern, dabei handelte es sich um Lehramtsstudent(inn)en, junge Lehrerinnen und Lehrer sowie einen Lehrer in Pension.

Jetzt könnte man das Klischee bedienen, „ja, die Lehrer, die haben ja Zeit in den Sommerferien“ – wir finden trotzdem, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, wenn Lehrer in den Ferien freiwillig eine Aufgabe übernehmen, von der sie sich eigentlich erholen wollen und auch sollen dürfen. Wer macht schon in den Ferien gerne das, was er sonst ohnehin im Beruf tut? Hier weiter lesen...

 

September 2016
Künstler aus Chile bemalen Wand im Hof des SALERO

Im Rahmen des Mannheim-Chile Festivals "Abya Yala" werden Künstler aus Chile am Wochenende die Wand des Hofes des BIA Saleros bemalen. Drei Maler werden mit einigen Flüchtlingen das Projekt umsetzen. Am vergangenen Sonntag haben wir uns die meist sozialkritisch geprägten Bilder von Victor Sepúlveda Villa, Jocaob Cortez Sanhueza und Eduardo Briones Ormeno (Bild links) bei der Vernissage in Mannheim angeschaut. Ziel des Projektes ist der interkultureller Austausch zwischen den Kulturen sowie die Intension, die uralte Kultur Südamerikas vorzustellen. Pancho Mendez, der selbst vor über 30 Jahren als Flüchtling von Chile nach Deutschland kam, organisiert das Projekt, das wir mit Unterstützung der Gemeinde realisieren.

Am Fr. und Sa., 16. (ab 15 Uhr) und 17.9. (ab 11 Uhr) wird die Hoftür geöffnet sein und Interessierte können vorbei kommen, zuschauen und mitmalen.

Am Freitag findet ein Grillfest ab 18 Uhr statt. Eingeladen sind Aktive, Flüchtlinge, Freunde und Unterstüzer der BIA St. Leon-Rot. 

 

 

Juni 2016
Fahrrad-Workshop

Wir sind alle froh, dass es ihn gibt: den Fahrradladen von Matthias Riester in der Häusserstraße in St. Leon. Der Rad-Experte hat uns schon manches Mal aus der Patsche geholfen, wenn die Rad-Reparateure der BI Asyl nicht mehr weiter wussten oder das passende Werkzeug nicht vorhanden war. 

Damit die Flüchtlinge, für die ein funktionierendes Fahrrad extrem wichtig ist, um mobil zu sein, kleine Reparaturen zukünftig selbst durchführen können, erklärte sich Matthias bereit, zwei Workshops durchzuführen. Gelernt wurde, wie man die Verkehrssicherheit überprüft, wie man einen Reifen wechselt und flickt und wie ein Radlager ausgetauscht wird. 

 

 

Herzlichen Dank Matthias für die Zeit, Geduld und Dein Engagement. Wir haben alle profitiert!

http://www.fahrrad-slr.de


Danke an Tanja für die grandiosen Fotos:
http://www.absolutfotografie.de/

 

 

 

NEU: Unser Kalender

Hier findet man alle Termine auf einen Blick

 

November 2016
dm-Preis für unser Engagement

Unsere BI Asyl wurde als regionaler Preisträger der Initiative „Helferherzen – der dm-Preis für Engagement“ ausgezeichnet. Mit sieben weiteren regionalen Preisträgern konnten wir letzte Woche in Mosbach das Preisgeld von 1000 Euro sowie eine Statue entgegennehmen. Überreicht wurde er von der Gebietsverantwortlichen Petra Schindler-Schwind und den Bürgermeistern Dr. Alexander Eger aus St. Leon-Rot und seinem Kollegen aus Marco Eckl aus dem Elztal an insgesamt sieben regionale ehrenamtliche Initiativen mit den unterschiedlichsten Engagements. Wir freuen uns und sagen Danke!

 

Eröffnung unserer Begegnungsstätte BIA SALERO am 04. Juni 2016

 

Viele waren gekommen zur offiziellen Eröffnung der BIA SALERO am vergangenen Samstag, sowohl die St. Leon-Roter Bevölkerung, viele unserer BIA aber auch fast alle im Ort wohnenden Flüchtlinge. Leider machte uns der strömende Regen einen Strich durch die Rechnung und die Begrüßung musste nach innen verlegt werden, so dass der Schulungsraum nicht alle Gäste fassen konnte. Die Tische im Schulungsraum wurden zur Seite geschoben und die Besucher quetschten sich in den ehemaligen Verkaufsraum der Metzgerei Speckert.

Gabi Dörflinger von der BI Asyl begrüßte alle Anwesenden, darunter 

Herrn Dr. Eger, Frau Wendler und Herrn Woschek. Der Dank von Seiten der BI Asyl ging an die Gemeinde für die Renovierung der Räume sowie an die evangelische Kirche, die diese für uns anmietet. Ein besonderer Dank ging an die Ehrenamtlichen Silvia Schau, Gerd Schmidt, Elvira Maga, Andrea Arnhold, Jutta Eichstädter, Munzer Mahmoud, Jawad Haidari, Endrik Ebel, Tobias Rehorst, Hans Bechberger, die bei der Renovierung und Ausstattung der Räume sehr viel geleistet haben. Sowie an alle Ehrenamtlichen der BI, die mit ihrer klaren Positionierung für Schutzsuchende ein wichtiges Zeichen in der Gemeinde setzen. Dass das nicht immer einfach ist und das Engagement auch auf Kritik stößt - gerade nach Ereignissen wie Silvester oder der aktuellen Festnahme eines Terrorverdächtigen in Leimen - unterscheidet das Ehrenamt in der Asylarbeit von den meisten anderen.

"Die Ehrenamtlichen sind es, die über die BI hinaus in die Gemeinde wirken und für ein offenes St. Leon-Rot werben. Unser Ehrenamt fordert neben dem menschlichen Aspekt auch ein gesellschaftspolitisches Statement für Geflüchtete," so Gabi Dörflinger.  "Pfarrerin Wendler brachte den Namen unserer Gemeinde Sankt Leon-Rot mit einer Bibelstelle in Verbindung, in der es heißt Gastfreundschaft sei heilig und würde im Ort gelebt, Pfarrer Woschek segnete die Räume.

Für die Besucher gab es Crepes an Elviras Stand, Grillwürste, ein großes Kuchenbuffet mit deutschem und syrischem Kuchen, arabischen Tee und vieles mehr. Überall waren auch unsere Geflüchteten im Einsatz: Eyob als Bierzapfer, Munzer und Jawad, die Grillmeister, und Biniam und Filmon in der Küche. Auch der "Laden für alle" war den ganzen Tag über ein Besuchermagnet.

Pünktlich zum bunten Musikprogramm, zusammengestellt von Matthias Fuchs, schien die Sonne. Ein Höhepunkt am Nachmittag war der Auftritt von Malak, ein 9jähriges syrisches Mädchen, die zusammen mit Matthias Gitarre spielte und dazu sang - ein bewegender Moment nicht nur für die Eltern Munzer und Thanaa, die seit fast einem Jahr in unserer Gemeinde leben. Es folgte ein Auftritt von Youssuf und seiner türkischen Band aus Frankfurt, bei dem spontan getanzt wurde. Sound Style lieferten im Anschluss das Kontrastprogramm mit schönen Popsongs und die Band Spurensuche mit ihren großartigen Sängerinnen und Sängern boten eher nachdenkliche Stücke. Ganz zum Schluss gab es noch einen Überraschungsauftritt von Vanessa und Rainer Kraft, die auf dem Weg zum Malscher Markt noch bei uns vorbei geschaut haben und die Stimmung  nochmals anheizten. Alle Künstler sind ohne Gage aufgetreten - herzlichen Dank dafür.

Wir freuen uns sehr, dass die Bevölkerung die Gelegenheit wahrgenommen hat, die Räume zu besichtigen, mit Flüchtlingen in Kontakt zu treten und die BIA kennenzulernen. Dazu wird es auch zukünftig regelmäßig Gelegenheit geben. Die Bevölkerung ist eingeladen.

Fotos von der Eröffnung auch auf unserer facebook-Seite!

 

 

Hier geht es zum RNZ-Artikel über unser Fest!

 

 

 

 

 

Was aus einem dunklen Raum werden kann, wenn viele Hände zusammen helfen und kreative Köpfe am Werk sind! 

 

 

 

 

Minis helfen wo der Schuh drückt

Die "Minis" aus Rot waren spontan bereit, in unserem "Lager", das zu einem Second-Hand-Laden aufgepeppt wird, mitzuhelfen. Sie sägten, hämmert und schleiften, was das Zeug hält und können mit dem Ergebnis zufrieden sein. In wenigen Stunden entstanden mehrere Schulregale, die sich sehen lassen können! 

Am vergangenen Wochenende hatten wir tatkräftige Unterstützung von den Ministranten aus Rot. Diese hatten noch Kapazitäten frei im Rahmen der „Aktion Frühjahrsputz“, bei der auf Wunsch der der Bevölkerung bei der Gartenarbeit geholfen wird. Auf unsere Anfrage hin erklärten sie sich spontan bereit, uns am Wochenende in unserem „Lager“ zu helfen. Dieses befindet sich hinter der ehemaligen Metzgerei Speckert/Ehehalt. In dem renovierungsbedürftigen Gebäude, das uns als Übergangslösung zur Verfügung gestellt wurde, ist immer etwas zu tun. Zahlreiche Kleiderständer wurden schon gebaut, aber für die gespendeten Schuhe fehlten noch Regale, die am Wochenende gebaut werden sollten. Wenn das Lager fertig eingerichtet ist, soll es dort möglich sein, zu festen Uhrzeiten in der Woche zu sehr geringen Preisen Kleider, Spielsachen oder Kleinmöbel zu erwerben. Dieser „Laden für Alle“ – wie er jüngst getauft wurde, ist auch ein Angebot für Alle. Für Flüchtlinge, die unserer Gemeinde zugewiesen werden, aber auch für alle anderen Bürgerinnen und Bürger, die gerne Second-Hand einkaufen möchten –daher eben „Laden für Alle“. Gemeinsam mit mehreren Ministranten bauten Ehrenamtliche der Bürgerinitiative den Samstag über Schuhregale zusammen, da wurde gesägt, gebohrt, geschliffen und geschraubt. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

 

 

Februar 2016
Projekttage "Heimat in der Fremde" am PG St. Leon-Rot

Ousubi, Abderachman oder Alfusaney - das sind Namen, die im sozialen Umfeld von Lisa, Anna und Tim eher unbekannt sind. Neu für die 25 Schülerinnen und Schüler des PG St. Leon-Rot waren nicht nur die Namen sondern auch die Menschen und deren Geschichten, die dahinter stecken. Acht Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Gambia und Libyen beteiligten sich am Projekt "Heimat in der Fremde" der beiden Lehrerinnen Frau Uthmann und Frau Tobian des PGs und Gabi Dörflinger von der BI Asyl St. Leon-Rot.

Die Projektklasse behandelte drei Tage lang das Thema Flüchtlinge, Fluchtursachen und Suche nach einer neuen „Heimat in der Fremde“ und präsentierten die Ergebnisse anschließend mit Plakaten und einem Film in der Schule.

Eindrucksvoll schilderten die Gäste aus dem nahen Osten und Afrika ihre Situation zuhause, ihre Fluchtgründe und wie sie nach Deutschland gekommen sind. Sie beantworteten die vielen Fragen zu ihrer Heimat und ihrer Situation hier in Deutschland. Vor allem Dr. Nabeel A., der sein Medizinstudium in Syrien abgeschlossen hat, beeindruckte mit seinem fast perfekten Deutsch nach nur 6 Monaten Aufenthalt und weiteren 4 Sprachen, die er spricht. Er lebt derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Walldorf. Dort ist er in einer großen Halle, die mit Bauzäunen unterteilt ist, in einer Parzelle mit sechs Betten, einem kleinen Tisch, Kühlschrank, Geschirr und Fahrrädern untergebracht. Derzeit wartet er auf einen Praktikumsplatz in einer Klinik und einen Aufenthaltstitel. "Ich nutze die Wartezeit, um zu lernen und zu lesen - von "Spiegel" über die "Zeit" sowie natürlich Fachliteratur", antwortet Nabeel auf die Frage, mit was er sich beschäftigt.

Schwieriger ist die Situation für die Afrikaner und Afghanen, für die ein Bleiberecht ungewiss ist. Alle gehen derzeit in einen Deutschkurs und hoffen darauf, möglichst lange unterrichtet zu werden. Vor allem diejenigen, die in ihrer Heimat keine Schule besuchen konnten, sind glücklich, hier endlich lesen und schreiben zu lernen. So sieht es auch ihre Deutschlehrerin: "Lesen und schreiben zu lernen, lohnt sich immer, auch wenn es in einer anderen Sprache als die Muttersprache ist. Für Flüchtlinge, die nicht hier bleiben können, haben wir dann einen wichtigen Grundstein für weiteren Bildungsmaßnahmen gelegt, nur dass wir es hier in Deutschland tun, statt z.B. vor Ort in Afrika“, erklärte Ute von Hahn. Drei Schülerinnen konnten bei ihr am Montag nachmittag im Deutschkurs hospitieren.

Als die Frage, die der Projektklasse besonders unter den Nägeln brannte, gestellt wurde, wie die Flüchtlinge die Geschehnisse und Übergriffe in der Silvesternacht beurteilen würden, wurde es sehr still im Raum. Mit einfachen aber bildhaften Worten beschrieb Jawad aus Afghanistan, dass die Bäume in einem Park zwar der Art nach die gleichen sind, sich aber beim Betrachten wesentlich unterscheiden würden und bat darum, Flüchtlinge als Individuen zu sehen und nicht pauschal zu verurteilen.

Sie distanzierten sich von den Geschehnissen vehement und forderten, dass die Täter bestraft werden. Von Seiten der BI Asyl kam der Hinweis, dass viele Ehrenamtliche in unserer Region Frauen sind und Übergriffe bisher nicht bekannt wurden.

"Mutig und bewegend" und "viel erfahren und viel gelernt", so bewertete ein Schüler die Projekttage. Auch für die Flüchtlinge war es besonderer Tag, bei dem sie mit einer Führung durch die Schule, einem gemeinsamen Mittagessen und einer extra Darbietung des Chors, einen Einblick in das Schulleben in Deutschland bekamen.

 

 

 

 

BI-Asyl-Treffen am 04. Dezember 2015 mit zwei großen Themen:

Zum einen empfing der Arbeitskreis „Freizeit“ einige Vertreter von Vereinen mit denen eine Zusammenarbeit besprochen wurde, wie der VfB St. Leon, FC Rot, Anpfiff ins Leben sowie einige private Anbieter von Aktivitäten wie „Haus der kleinen Forscher“ oder „ein Bauchtanzkurs“. Vielen Dank für die Bereitschaft und Offenheit Flüchtlinge in die Vereine zu integrieren – wir werden auf die Angebote sicher gerne zurück kommen.

Das zweite große Thema war Freifunk bzw. freies Internet in St. Leon-Rot:
„Freifunk ist eine soziale und zugleich sichere Sache – es ermöglicht freien Internetzugang für alle“, das versicherte uns Christoph Probst vom Verein Freifunk Rhein-Neckar e.V. Hört sich utopisch an? Christoph konnte uns das am vergangenen Freitag bei unserem BI-Treffen sehr anschaulich erklären.
Er setzt sich dafür ein, ein solches Netz hier in St. Leon-Rot zu etablieren, so dass auch Flüchtlinge und alle, die sich keinen Internetzugang leisten können, freien Internetzugang haben. Der soziale Gedanke gefällt uns und wir unterstützen diese Aktion.
Freifunk hat es sich zum Ziel gesetzt, ein frei zugängliches, öffentliches und durch Bürger verwaltetes Funknetz (WLAN) aufzubauen und zu betreiben. Unser Anliegen ist es, in der Gemeinde Teilnehmer zu finden, die bereit sind, einen Router (etwa 20 Euro) anzuschaffen und freies Internet zur Verfügung zu stellen. Christoph übernimmt die Einrichtung der Router, spielt die Software auf und unterstützt, wo notwendig.Er betonte immer wieder: „Alle Betreiber eines Routers sind über den Verein Freifunk vor rechtlichen Risiken geschützt“. Wer Interesse hat mitzumachen - einige sind in der Gemeinde bereits installiert - wendet sich direkt an Christoph Probst.
Mail: freifunk@probst.it
Mehr Infos: https://freifunk-rhein-neckar.de


 

 

 

 

 


 


 

 

 

September 2016
So geht interkulturelle Kompetenz: Kleine und große Künstler aus aller Welt 

In vielen Gemeinden finden bedingt durch den Flüchtlingszustrom derzeit zahlreiche interkulturelle Begegnungen statt: Menschen unterschiedlicher Kulturen arbeiten zusammen und schaffen etwas Neues. Dabei gelingt es ihnen, sich zu verständigen, Arbeitsschritte zu „besprechen“, sich abzustimmen und Spaß miteinander zu haben, auch wenn sprachliche Kommunikation aufgrund der teilweise geringen Deutschkenntnisse nur wenig möglich ist – so geschehen etwa in St. Leon-Rot bei einer Wandbemalung der Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot:

Dass sich das Anwesen Hauptstraße 113, die ehemalige Metzgerei, wandelt, merkt man schon, wenn man nun statt des leerstehenden Verkaufsraums einen freundlich gestalteten Unterrichtsraum beim Vorbeifahren auffindet. Seit einigen Monaten hat die Gemeinde St. Leon-Rot die Räume der Bürgerinitiative Asyl zur Verfügung gestellt, damit diese dort etwa Deutschunterricht für Flüchtlinge veranstalten kann. Das alte Schlachthaus dagegen wird als „Laden für Alle“ genutzt, in dem Flüchtlinge, aber auch jeder andere Gemeindebürger, Second-Hand-Kleidung oder Haushaltsgegenstände erwerben kann. Ursprünglich hatte die Gemeinde St. Leon-Rot das Areal aufgekauft, um neue Optionen für die Ortskerngestaltung umzusetzen – wahlweise etwa als Tauschimmobilie oder als innerörtliche Parkfläche.

Die Außenmauer des Gebäudekomplexes erhielt bei der Aktion ein ganz neues Gesicht. Entstanden ist mit Unterstützung der Gemeinde St. Leon-Rot ein fast 50qm großes, farbenfrohes Kunstwerk, bemalt von etwa 50 kleinen und großen Künstlern aus Chile, Syrien, Afghanistan, Eritrea, Gambia und Deutschland.

Die Künstler Jacob Cortez Sanhueza, Victor Sepúlveda Villar und Eduardo Briones Ormeño aus Chillán (Chile) gestalteten gemeinsam mit in St. Leon-Rot untergebrachten Flüchtlingen, der Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot und weiteren Bürgerinnen und Bürgern die 25 m lange und bis zu 2m hohe Wand neu. Organisiert wurde die Aktion durch den in Mannheim lebenden Chilenen Pancho Mendez, der beim Anblick des in die Jahre gekommenen Anstrichs, der BI Asyl die Idee schmackhaft machte,

Die Situation der Flüchtlinge in Deutschland kann Mendez sehr gut nachvollziehen, kam er doch selbst vor 30 Jahren während der Militärdiktatur Pinochets mit Hilfe von Amnesty International ins Exil nach Deutschland, das ihm inzwischen zur zweiten Heimat geworden ist. Heute setzt er sich mit dem von ihm mitbegründeten Verein „Abya Yala“ (=lebendige Erde in der Sprache der Ureinwohner Panamas) für einen kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Lateinamerika ein. Ein besonderes Anliegen des Vereins ist die Thematisierung von Menschenrechten und deren Verletzung in Lateinamerika, aber genauso in anderen Regionen der Erde.

Zum vierten Mal richtet der Verein nun das gleichnamige Festival „Abya Yala“ aus, mit Veranstaltungen rund um Mannheim und nun auch in St. Leon-Rot: Konzerte. Lesungen und Ausstellungen prägen das Programm. Inhaltlich setzen sich die Kunstveranstaltungen mit dem Thema „Menschenrechte“ auseinander, dieses Jahr wird besonders auf die Situation der chilenischen Ureinwohner, der Mapuche, aufmerksam gemacht, sowie deren kulturelles Werk in den Fokus gerückt. Mendez appellierte anlässlich der Eröffnung an den Einsatz für Menschenrechte. Sein eigenes Beispiel kann auch eine Motivation für die in Deutschland lebenden Flüchtlinge sein, sich für ihr Land zu engagieren, die Demokratiebewegungen in ihrem Heimatland zu unterstützen, politisch Einfluss zu nehmen.

Das Großkunstwerk in der Hauptstraße stellt die unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Nationen dar, jeder, der sich an der Gestaltung beteiligte, konnte sich selbst darstellen, sich selbst ausdrücken. Innerhalb von zwei Tagen hat die Wand ihr neues Aussehen bekommen, zum einen Dank der vielen Helfer, zum anderen, weil die Künstler sich während der Pinochet-Diktatur die Fähigkeit angeeignet haben, Wände in kurzer Zeit zu bemalen.

Zur Begrüßung der Künstler hatte die Bürgerinitiative ein Grillfest veranstaltet, zu dem neben den Künstlern vor allem Freunde und Unterstützter eingeladen waren. Eingeladen waren etwa auch 10 ehrenamtliche Lehrerinnen und Lehrer, die zusätzlich zu den regelmäßigen Lehrkräften in den Sommerferien für die Zeit der Schul- und VHS-Schließung ein zusätzliches Deutschprogramm durchführten, genauso wie Unternehmen aus der Gemeinde, die Flüchtlinge während der Ferienzeit als Praktikanten aufnahmen. Neben einem vielfältigen internationalen Buffet steuerten die Chilenen mit Musik und Tanz lateinamerikanisches Flair zum Spätsommerabend bei. Das Festival läuft noch bis zum 8.10.2016 in Mannheim (www.abya-yala.eu).

 

 

August 2016
„Mein Sohn ist drei Jahre alt, meine Tochter halb fünf“

Sätze wie dieser sorgten immer wieder für Erheiterung im Rahmen unseres Sommerferien-Deutschkurses, beispielhaft ist etwa auch folgender Dialog: „Ich gehe jeden Tag einkaufen“, übt ein syrischer Familienvater einen Satz, worauf sein Nachbar sofort erwidert „er muss viel Geld haben“  „Nicht viel Geld, viele Kinder“, kommt als schlagfertiger Konter zurück.

Zwischen 10 und 15 Teilnehmer aller Altersstufen, Frauen, Männer und Kinder aus Afghanistan, Syrien und Eritrea kamen über vier Woche lang täglich zu diesem Angebot. Weil die VhS, andere freie Bildungsträger und die staatlichen Schulen in der Sommerzeit lange geschlossen sind, hat sich die Bürgerinitiative Asyl in St Leon-Rot entschlossen, ein eigenes Programm aufzusetzen, damit nicht alles bereits Erlernte gleich wieder in Vergessenheit gerät. Da viele unserer regelmäßig im Einsatz befindlichen ehrenamtlichen Lehrerinnen und Lehrer jedoch entweder berufstätig oder selbst urlaubsreif waren, musste auf andere Ehrenamtliche zurückgegriffen werden. Es gelang uns, insgesamt neun weitere Helfer für das Programm zu begeistern, dabei handelte es sich um Lehramtsstudent(inn)en, junge Lehrerinnen und Lehrer sowie einen Lehrer in Pension.

Jetzt könnte man das Klischee bedienen, „ja, die Lehrer, die haben ja Zeit in den Sommerferien“ – wir finden trotzdem, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, wenn Lehrer in den Ferien freiwillig eine Aufgabe übernehmen, von der sie sich eigentlich erholen wollen und auch sollen dürfen. Wer macht schon in den Ferien gerne das, was er sonst ohnehin im Beruf tut?

Vier Wochen lief das Programm, jeden Tag zwei Stunden, je zwei Lehrer mit einem zuvor ausgearbeiteten Unterrichtsplan. Die Herausforderung lag vor allem darin, alle Teilnehmer mit teils sehr unterschiedlichem Niveau im Unterricht mitzunehmen – einige können schon besser, andere noch nicht so gut deutsch. Im Ergebnis waren aber alle, die mitgemacht haben, sehr zufrieden: Die Teilnehmer mit dem kostenlosen, guten Deutschunterricht, bei dem auch ab und zu gelacht wurde und die Lehrkräfte mit einer wirklich motivierten angenehmen und auch stets dankbaren Lerngruppe, die selbst ob der Grausamkeiten der deutschen Sprache – wichtigstes Wort im Unterricht: „Ausnahme!“ -  immer bemüht war, alles möglichst richtig zu machen.

Parallel dazu organisierten Ehrenamtliche unserer Initiative zwei Mal wöchentlich Unterricht für die Schulkinder, bei dem vor allem an den Mathematikkenntnissen gearbeitet wurde.

Wir bedanken uns bei allen, die diese tollen und erfolgreichen Angebote durch ihre Unterstützung möglich gemacht haben!

 

Mai 2016
"Kannst du mir helfen? - ich suche eine Arbeit!"

Wir von der BIA hören das oft. Die Motivation ist groß, was viele benötigen ist quasi ein Starthilfekabel, um loszulegen. Hier versuchen wir zu unterstützen.

Die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt ist eine große aktuelle Herausforderung, aber letztlich auch eine Chance für alle: Unbesetzte Stellen können besetzt werden, die Integration in die Gesellschaft läuft besser über Kontakte zur deutschen Bevölkerung am Arbeitsplatz und die Neuankömmlinge haben eine sinnvolle Beschäftigung.

Immer wieder hören wir auch von „unseren Flüchtlingen“, dass sie gerne arbeiten würden, nur so einfach ist das nicht. Zahlreiche bürokratische Hürden, fehlende Kontakte und fehlende Sprach- und Fachkenntnisse liegen als große Steine auf dem Weg zum Job. Diese alle aus dem Weg zu räumen, braucht Ausdauer.

Beschäftigung ist der Motor zur echten Integration

Wir als Bürgerinitiative Asyl stellen uns aber dieser Aufgabe: Zuallererst versuchen wir die Deutschkenntnisse durch Vermittlung in Integrationskurse oder auch in unsere ehrenamtliche Angebote zu verbessern, Angebote die gut und gerne angenommen werden. Auch bei der Qualifizierung für Berufe helfen wir. Für viele ist aber noch nicht einmal klar, welchen Beruf sie gerne ausüben würden bzw. für welchen Beruf sie Talente mitbringen, weil entweder die Berufsbilder in Deutschland nicht bekannt sind oder sich von denen in den Herkunftsländern unterscheiden.

Ein erster Schritt auf dem Weg sind dabei Praktika, wie sie auch deutsche Schüler zur Berufsfindung absolvieren. Gerade für junge Flüchtlinge eine gute Idee. Drei unserer Eritreer hatten in den Sommerferien keine Deutschkurse und daher Zeit für Praktika, es gelang uns für alle eine Praktikumsstelle zu finden:

Filmon lernte bei Gartenbau Thome den Arbeitsalltag in Deutschland kennen, die Arbeitszeiten, die Mittagspausen und die einzelnen Arbeitsschritte. Positive Rückmeldung kam vom Betriebsinhaber, lediglich an den Deutschkenntnissen hapere es noch, die Motivation und Arbeitsbereitschaft war da.

Eine Herausforderung für den Biorhythmus stand Biniam bevor: Bei der Bäckerei Feuerstein ist Arbeitsbeginn um 3 Uhr morgens – auch eine Herausforderung für das beengte Wohnen der vier Jungs in ihrer kleinen Flüchtlingsunterkunft – aber auch hier nur überaus positive Rückmeldungen. „Er hat sich wirklich sehr gut angestellt und sehr gut hier eingebracht“, berichtet Elke Feuerstein.

Eyob dagegen machte sein Praktikum bei einem Sanitärbetrieb in Heidelberg, nachdem er zuvor geäußert hatte, dass ihn dieser Beruf interessieren würde. Nach den zwei Wochen war die Firma Janssen in Wieblingen so von ihm überzeugt, dass man ihm nun einen Ausbildungsplatz angeboten hat, mit der Möglichkeit, das erste Ausbildungsjahr auf der sogenannten Berufsfachschule zu absolvieren, um seine Deutschkenntnisse noch zu verbessern, in Ausbildungsjahr 2 und 3 folgt dann die Regelausbildung im Betrieb.

Jawad, ein afghanischer Flüchtling, der seit März eine Berufsvorbereitungsschule im Bereich Ernährung besuchte, konnte ebenfalls über ein Praktikum in eine Ausbildung bei der Bäckerei Götzmann vermittelt werden. Für ihn ist es ein Start in ein neues Leben, da mit der Ausbildung auch sein Aufenthaltsstatus gesichert ist.

Dank an die Betriebe

Wir wünschen allen auf ihrem weiteren Weg ins Arbeitsleben viel Erfolg und bedanken uns bei Reinhard Thome (Gartenbau Thome), Elke und Udo Feuerstein (Bäckerei Feuerstein), Marco Götzmann (Bäckerei Götzmann) und Stefanie Wurster (Sanitär Janssen HD-Wieblingen) für Ihre Bereitschaft, die jungen Männer zu unterstützen. Herzlichen Dank!

 


Juni 2016
Der lange Weg von Eritrea nach Deutschland

Seit Anfang Mai betreuen wir auch die „Eritrea-WG“ in einer unserer gemeindlichen Flüchtlingsunterkünfte– deren Bewohner sollen nun auch, wie zuvor bereits andere Flüchtlinge in der Gemeinde, hier in den Gemeindenachrichten vorgestellt werden. Los geht es mit Biniam.

Biniam ist 24 Jahre alt und kommt aus Eritrea, einem relativ kleinen ostafrikanischen Land, dessen Gesamtfläche etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands ausmacht und in dem etwa 6,5 Millionen Menschen leben. Oft finden sich gerade die afrikanischen Flüchtlinge dem Generalverdacht ausgesetzt, „nur Wirtschaftsflüchtlinge“ zu sein, die in Deutschland nach einem besseren Leben suchen. Betrachtet man dagegen die Anerkennungsquote der Antragssteller, also die Zahl derer bei denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen das Asylrecht begründenden Fluchtgrund anerkennt, so wird man zwangsläufig eines Besseren belehrt.

Die Fluchtursachen

Während etwa für das kleine westafrikanische Gambia, aus dem derzeit auch zahlreiche Flüchtlinge nach Europa drängen, eine Anerkennungsquote von nur etwa 1-2 Prozent errechnet werden kann, liegt sie bei Eritreern bei etwa 95%. Aber woran liegt das? Kurz gesagt an der teils verheerenden Menschenrechtslage in Eritrea, das mitunter zugespitzt als „das Nordkorea Afrikas“ bezeichnet wird. Eine Einheitspartei unter der Führung von Präsident Isayas Afawerki regiert das Land, Amnesty International berichtet von zahllosen politischen Gefangenen in den Gefängnissen, die ohne Prozess in Haft genommen wurden. Freie Wahlen wurden seit Jahren nicht mehr durchgeführt, auch in Zukunft soll dies laut Afawerki nicht geschehen. Im Jahr 2007 wurde die private Presse verboten, seither wird die gesamte Berichterstattung in Bild und Ton von der Regierung bestimmt. Auch ausländische Medienvertreter wurden des Landes verwiesen, sodass die Nachrichtenlage insgesamt sehr dürftig ist, was auch die fehlende Präsenz von Informationen in unseren Medien zumindest teilweise erklärt.

Dazu kommt ein Arbeits- bzw. Militärpflichtdienst, der sich teilweise über Jahre hinweg zieht. Etwa 1 Million Eritreer lebt bereits im Ausland, davon etwa 70 000 in Deutschland. Laut EU-Grenzschutzagentur Frontex flohen im Jahr 2014 etwa 33 000 Eritreer über die gefährliche Mittelmeerroute, die zweithöchste Zahl gleich nach Syrien.

Biniams weiter Weg

Wenn man Biniam auf seine Flucht anspricht, so erzählt er auch von willkürlichen Verhaftungen in Eritrea, insgesamt sei die Lage auch durch den nach wie vor bestehenden Konflikt mit dem Nachbarland Äthiopien angespannt. Polizeigewalt ist an der Tagesordnung – „der Präsident ist nicht gut“. Biniam ist in der Stadt Adi Nahbay aufgewachsen, dort auch zur Schule gegangen, er spricht die lokale Sprache Tigrinya und ein bisschen Englisch sowie ein paar Brocken arabisch. Wie viele Eritreer ist Biniam christlich-orthodoxer Konfession.

Über Äthiopien, den Sudan und Libyen – die meiste Strecke zu Fuß oder mit dem Bus – gelang es ihm, auf eines der Schlepperboote zu gelangen, gemeinsam mit weiteren 400 Personen. Bereits in Libyen lernte er Filmon kennen, der ebenfalls in St. Leon-Rot gelandet ist. Von Sizilien kamen sie über Rom nach Deutschland, wo sie nach den Erstaufnahmeeinrichtungen zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft in Schwetzingen unterkamen, bis sie nach positiver Anerkennung als Flüchtlinge in St. Leon-Rot gelandet sind.

Die neue Heimat St. Leon-Rot

Gemeinsam mit Filmon, Eyob und Yemane teilt sich Biniam zwei kleine Zimmer in der Unterkunft, ein enges Zusammenleben, das zuweilen auch für Spannungen sorgt. Groß ist daher der Wunsch, auf eigenen Beinen stehen zu können, Biniam besucht daher sowohl die Deutschkurse, die die Arbeitsagentur vermittelt als auch die ehrenamtlichen Angebote der Bürgerinitiative. Im August ist ein Praktikum in einer Bäckerei vorgesehen. Biniam schwimmt für sein Leben gern, spielt gerne Fußball und geht dort zur Hand, wo Hilfe gebraucht wird, etwa als fleißiger Küchenhelfer bei der Organisation des Buffets für das Metropolink-Festival. Biniam ist ein sehr humorvoller Mensch, der gerne lacht. 

 

 

Dezember 2015
DREI KRIEGE ERLEBT - Unter den Räder der Nahostkrise 

Für die meisten von uns Mitteleuropäern ist Krieg zum Glück etwas Unbekanntes, Unvorstellbares. Diejenigen älteren Mitmenschen, die noch den zweiten Weltkrieg miterlebt haben, berichten heute noch von den Schrecken dieser Zeit. Familie Mahmoud lebt seit Juni 2015, nachdem sie vor insgesamt drei verschiedenen kriegerischen Konflikten geflohen ist, endlich wieder ein Leben in Frieden in unserer Gemeinde.

Die Familiengeschichte

Vater Munzer kommt ursprünglich aus der Hafenstadt Tartus in Syrien. Er ist bereits vor mehr als 25 Jahren jedoch nach Libyen ausgewandert, weil dort zu diesem Zeitpunkt bessere Arbeitsbedingungen geherrscht haben. Dort konnte er sich erfolgreich als Bauunternehmer im Bereich Trockenbau etablieren. Zwanzig dauerhaft angestellte Mitarbeiter gehörten seinem Unternehmen an, für Projekte etwa auch in Saudi-Arabien, hatte er sogar bis zu 65 Mitarbeiter zur Verfügung.

Zwischenzeitlich hat Munzer wieder in Syrien gelebt, dort seine Frau Thanaa geheiratet, wenig später kam die Tochter Malak zur Welt. Weil das Unternehmen jedoch weiterhin in Libyen agierte, zog die junge Familie bald wieder nach Tripolis, was insofern problemlos möglich war, als Munzer eine gültige Aufenthaltserlaubnis besaß. Dort kam dann der erste Sohn Taha zur Welt.

Nach öffentlichen Protesten im Februar 2011 im Zusammenhang mit dem „arabischen Frühling“ kam es zum Bürgerkrieg in Libyen, an dem sich auch die NATO militärisch zur Unterstützung der oppositionellen Kräfte beteiligte. Die Zahl der Kriegstoten wird zwischen 10- und 50 000 geschätzt (Quelle wikipedia), auch Libyens langjähriger Machthaber Muammar al-Gaddafi kam ums Leben. Familie Mahmoud erlebte das Bombardement von Tripolis hautnah mit.

Der Krieg in Libyen und Syrien

Munzer hat sich in dieser Situation entschieden, seine Familie nach Syrien in Sicherheit zu bringen, und ist alleine in seinem eigenen Haus in Tripolis geblieben, schließlich lag die wirtschaftliche Grundlage der Familie in Libyen.

Mit der Sicherheit in Syrien war es aber bald darauf auch vorbei: Kurze Zeit später ist der Krieg in Syrien ausgebrochen, auch dort folgte ab Mitte des Jahres 2011 auf regimekritische Proteste ein Bürgerkrieg, der heute schlimmer wütet als je zuvor. Munzer hat daher mit allen Möglichkeiten versucht, seine Familie aus dem Krisengebiet zu schaffen, was nicht einfach war, da die Assad-Regierung das Verlassen des Landes verboten und unter Strafe gestellt hat.

Wiedervereint in Libyen hoffte die Familie auf eine Verbesserung der Situation dort, aber auch nach dem Sturz Gaddafis kam das Land nicht zur Ruhe. Aus den verschiedenen Oppositionsgruppen bildeten sich zwei verschiedene, von Milizen getragene, politische Allianzen heraus, die spätestens ab 2014 in einem weiteren, offenen Bürgerkrieg zueinander standen. Hinzu kam, dass das Machtvakuum, das nach dem Sturz Gaddafis entstanden war, schnell von Banden und Kriminellen gefüllt wurde. Opfer dieser Entwicklung waren wie so oft in der Menschheitsgeschichte vor allem die „Ausländer“: Syrer wurden gezielt entführt, um Lösegeld zu erpressen. Ein Verwandter der Familie wurde entführt und gefoltert und die ganze Verwandtschaft musste 30.000 Dollar als Lösegeld sammeln, damit er frei kommt. Unter Folter musste der Verwandte alle Namen derjenigen Syrer verraten, die er kannte. Der Name Mahmoud wurde zur Zielscheibe für die Kriminellen.

Die letzten Wochen oder Monaten in Libyen hat sich Munzer mit seiner Familie im Haus verschanzt vor Angst, dass jemand seine Kinder entführen könnte. Nicht einmal einkaufen war mehr möglich, das mussten seine Freunde für ihn erledigen. Als die Banden einen weiteren Verwandten entführten, sah Munzer den einzigen Ausweg in der Flucht, Hals über Kopf verließ die ganze Familie das Haus.

Die Flucht über das Mittelmeer

Auf der Suche nach einem Schlepper in Richtung Europa kamen sie an verschiedenen Orten unter. Im April 2014 schaffte es die Familie endlich, auf eines der Flüchtlingsboote zu gelangen. 10 endlose Tage dauerte die Überfahrt über das Mittelmeer, etwa 300 Erwachsene und 70 Kinder waren auf engstem Raum zusammengepfercht, Mama Mahmoud hochschwanger. Als das Boot schließlich auch noch ein Leck bekam, mussten die Flüchtlinge unentwegt Wasser aus dem Boot schaufeln, um das Sinken des ganzen Bootes zu vermeiden, bis das in Seenot geratene Boot schließlich von der italienischen Küstenwache gerettet wurde.

Mit Hilfe von Schleusern haben sie sich zunächst auf den Weg nach Schweden gemacht. Für

diesen weiteren Fluchtabschnitt mussten weitere letzte Finanzreserven der Familie geopfert werden.

Die ersten Monate in Deutschland

Gestrandet in Deutschland haben es sich die Mahmouds anders überlegt und wollten nun erst einmal hier bleiben. Über Dortmund gelangten sie durch Vermittlung der Behörden zuerst in die Landeserstaufnahmeeinrichtung in Karlsruhe und im Anschluss daran nach Aalen. Dort lebten alle fünf Familienmitglieder in einem einzigen Zimmer, als der jüngste Sohn auf die Welt kam. Alles spielte sich in diesem einen Raum ab: Kochen, Essen, Schlafen, Spielen. Die Situation war so unerträglich, dass die Familie die Unterkunft so schnell wie möglich verlassen wollte, nachdem sie eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hatten nach Beendigung des Asylverfahrens. In Aalen hatte der Vater türkischstämmige Menschen kennengelernt, die wiederum einen Vermieter in unserer Gemeinde vermittelten.

Dadurch, dass das Asylverfahren beendet ist, handelt es sich bei der Familie nicht um Flüchtlinge, die der Gemeinde St. Leon-Rot zugeteilt wurden, sondern um solche, die nach der Zuteilung an eine Gemeinde einen anderen Wohnsitz gesucht haben, das steht den Asylbewerbern nach Wegfall der sogenannten Residenzpflicht offen, deren Wiedereinführung gerade politisch diskutiert wird. So kam es zu der Situation, dass unsere Bürgerinitiative von der Familie überhaupt nichts mitbekommen hat – viele verblüffte Gesichter, als uns die Information im November erreichte, „ja, bei euch wohnt eine sechs-köpfige syrische Familie.“ Die Kontaktaufnahme erfolgte letztlich darüber, dass Familie Mahmoud einen Ehrenamtlichen aus der Erstaufnahmeeinrichtung kontaktierte, weil sie mit dem neuen Leben überfordert und sehr einsam in der neuen Gemeinde waren. Dieser Helfer kam schließlich aus Konstanz nach St. Leon-Rot und stellte dort den Kontakt zur Gemeinde und zu unserer Bürgerinitiative her.

Freunde und ein neues Zuhause in St. Leon-Rot

Sofort haben Kathrin, Kerstin und Aukbah Kontakt zu den Mahmouds aufgenommen. Mit nur geringen deutschen Sprachkenntnissen hat es Munzer allerdings auf eigene Faust schon geschafft, die wichtigsten Schritte in der neuen Heimat in die Wege zu leiten: Neben der Miete des Hauses, in dem die Familie nun lebt, meldete er die inzwischen 8-jährige Tochter in der Schule sowie die beiden Söhne im Kindergarten an, für sich selbst organisierte er einen Sprachkurs. Dennoch helfen die Paten Kathrin, Kerstin und Aukbah der Familie im Alltag bei Arztbesuchen und Behördengängen. Dadurch, dass Aukbah neben deutsch auch persisch spricht, ist eine gute Verständigung gewährleistet. Mama Mahmoud ist noch sehr viel mit dem kleinen Säugling beschäftigt, sodass für sie ein externer Deutschkurs derzeit nicht in Frage kommt, Andrea besucht die Mama jedoch zwei Mal die Woche und lernt mit ihr unsere Sprache.

Wenn Munzer über seine Fluchtgeschichte erzählte, blieben ihm oft die Worte weg und nur noch Tränen konnten das Erlebte ausdrücken. Die Familie ist sehr dankbar dafür, endlich wieder in Frieden und ohne Angst leben zu können. Dankbar dafür, dass für die Kinder eine Perspektive besteht. Für Munzer ist es daher auch Ehrensache, der Bürgerinitiative zu helfen, wo er kann und durch sein handwerkliches Geschick ist er etwa bei der Renovierung des Schlachthauses der ehemaligen Metzgerei Speckert eine große Hilfe, das künftig als Lager für Spenden aus der Bevölkerung dienen wird. Die erste Frage nach einem langen Arbeitstag ist immer: „Arbeit morgen, helfen?“ Für uns als ehrenamtliche Helfer ist es dabei faszinierend zu sehen, wie man ganz ohne Worte gemeinsam etwas erreichen kann, wenn die Chemie stimmt und ein gewisses Grundvertrauen da ist - und Munzer sammelt beim Streichen, Bohren und Sägen nebenbei auch noch viele neue Vokabeln auf.

Und noch ein Umzug

Wir sind derzeit auf einer Suche nach neuem Wohnraum für die Familie. Aufgrund des schlechten Zustandes, hat sich der Vermieter entschlossen, das Haus abzureißen und das Mietverhältnis gekündigt. Die sechsköpfige Familie sucht nun ein einfaches Haus oder eine größere Wohung zur Miete, gerne auch renovierungsbedürftig. Sollten Sie also eine liebenswerte Familie unterstützen wollen und über geeigneten Wohnraum mit mindestens 3 Zimmern verfügen, dann melden sie sich doch bitte bei uns für ein unverbindliches Kennenlernen: info@asyl-st-leon-rot.de

 

 

2015
Paten gesucht.

Sie wollen helfen, wissen aber nicht wie? Da wüssten wir etwas. Wir suchen Paten für unsere zukünftigen Mitbürger.

Wer oder was ist ein Pate und was muss ich dafür tun, können und investieren? Dietmar von unserer Bürgerinitiative Asyl schildert das so:

"Was es braucht, ist ein bisschen Zeit, Offenheit und Penetranz und eine gewisse Affinität zu Tee....was man erhält, ist ein Glücksgefühl, mit etwas Einsatz viel erreichen zu können...und ein gutes Glas Tee...

Seit etwa 3 Monaten betreuen meine Frau Jutta und ich eine afghanische Familie (Vater 23, Mutter 22, Kind 2 Jahre) in Walldorf, die seit mittlerweile 10 Monaten in Deutschland bzw. auf der Flucht sind. Während der Sommerferien bekamen wir einen Anruf, dass die junge Mutter dringend gesundheitliche Hilfe benötigen würde. Leider war wegen der Urlaubszeit niemand greifbar, also sind wir eingesprungen. Ein erster Besuch in der Flüchtlingsunterkunft hat uns die Problematik sehr anschaulich vor Augen geführt.

Laut Asylgesetzgebung stehen jedem Flüchtling 4,5 qm Wohnfläche zur Verfügung, was bezüglich der Familie bedeutete: 1 Zimmer, etwa 12 qm groß, in einer Sammelunterkunft, in der weitere 16 Familien untergebracht sind. Insgesamt 1 Gemeinschaftsküche, 2 Toiletten. Wegen der Anzahl der unterzubringenden Menschen geht das nicht anders, aber die Belastung kann man sich vorstellen. Trotzdem ist die Familie zufrieden, sie ist in Sicherheit. Wir kündigen unseren Besuch an und was passiert als erstes? Die Mutter kocht uns einen Tee und serviert Kuchen, Plätzchen, Gastfreundschaft pur.

Sehr schnell wird klar, wir müssen zuerst einmal Klarheit über den Gesundheitszustand bekommen. Nichts leichter als das, kostenlose ärztliche Versorgung ist ja gewährleistet. Terminvereinbarung bei den Fachärzten ist angesagt.

Wir begleiten die Frau zu den jeweiligen Terminen, machen auch einen Sehtest beim Optiker, alles wird besser. Die Familie merkt, da kümmert sich jemand um uns, will uns helfen, Vertrauen entsteht, irgendwie ein schönes Gefühl (ich werde noch zum Teetrinker).

Thema Integration: Dank der sehr engagierten Arbeit der Sozialarbeiterin der Stadt Walldorf, die einen tollen Job macht, ist die Mutter seit September jeden Morgen in einer schulischen Ausbildung. Für die Tochter finden wir Dank sehr großen Engagements der Leiterin der Einrichtung ab Mitte Oktober einen Platz in der Kinderkrippe. Und dann kommt auch noch der Umzug in das neu hergerichtete Boardinghaus in Walldorf, was die räumliche Situation massiv entspannt. Eine eigene kleine 1-Zimmer-Wohnung mit eigener Küche und eigenem Bad, Privatsphäre. Und dann auch noch mitten im Ort, das ist eine große Verbesserung.

Die Familie ist auf einem guten Weg, jetzt können wir die Integration für den Vater angehen. Doch folgt ein Rückschlag. In der Schule werden seit Kurzem nur noch unter 18-Jährige aufgenommen. Platzmangel,. Leider nachvollziehbar, aber schwierig zu verstehen für die Familie. Und dann auch noch das neue Asylbeschleunigungsgesetz, das plötzlich Afghanistan zu einem „sicheren“ Herkunftsland macht. Nur noch Irak, Iran, Syrien und Eritrea sind bevorzugt zu behandeln und bekommen Integrationshilfe. Keine Unterstützung für den Vater von staatlichen Stellen. Erklärungsversuche, Ankämpfen gegen berechtigte Ängste vor Abschiebung. Hilft da der Hinweis, dass wir alle gemeinsam, die Stadt, das Sozialamt, die Bürgerinitiative, die Einwohner unserer Gemeinde, nach einer Lösung suchen, und hoffentlich finden?

Pate sein ist spannend, ernüchternd, beglückend, schwierig, voller dankbarer Rückmeldung, frustrierend, erfolgreich, einfühlsam. Nein, wir haben nicht alles alleine gemacht, das aller wenigste vermutlich, aber wir waren und sind der Ansprechpartner, der Koordinator, der Vertrauensaufbauer. Jutta und ich finden, dass das eine lohnende Aufgabe war, ist und bleiben wird.

Wir laden Sie dazu ein, diese Erfahrungen zu teilen, und machen Sie sich auf dankbare Augen (und leckeren Tee) gefasst - versprochen!"

Liebe Grüße

Dietmar Haupenthal, Ansprechpartner für den Arbeitskreis "Patenschaften" bei der Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot

Wenn Sie sich auf eine Patenschaft einlassen möchten, für Einzelpersonen oder für eine Familie in St. Leon-Rot, dann melden Sie sich bei uns! Pate sein, bedeutet nicht finanziell oder rechtlich für Flüchtlinge einzustehen, vielmehr ist ein Begleiten, Fördern, Vermitteln. Viele neue Erfahrungen warten auf Sie, die Ihnen die Augen für eine andere Welt öffnen können.

Gerne informieren wir Sie bei unserem Treffen am 11.11.15, 19 Uhr, Evangelische Kirche, St. Leon-Rot

 

2015
Nach Irrwegen und Schicksalschlägen ein neues Zuhause in St. Leon-Rot – wir stellen Jawad und Yacub vor

Seit Seit 1980 sind mehr als sechs Millionen Afghanen in die benachbarten islamischen Republiken Pakistan und Iran geflohen. Auslöser waren in den 80er Jahren die Besetzung des Landes durch Sowjetische Truppen und dem daran anschliessenden Bürgerkrieg sowie die Machtübernahme der Taliban 1996. Im Jahr 2001 entstand eine neue Flüchtlingswelle; Hunderttausende wurden innerhalb des Landes vertrieben.

Jawad
Jawad ist 27 Jahre alt und wurde in der Stadt Ghazni in der Nähe von Kabul geboren. Die Familie von Jawad floh in den benachbarten Iran, als er noch ein Kind war. Auf der Suche nach Arbeit wagte seine Familie 2002 die Rückkehr nach Afghanistan, wo die Situation durch den Talibanterror gefährlich war, ganz besonders für Jawad, den die Taliban mit 14 Jahren anwerben wollten. Ein Freund des Vaters nahm ihn deshalb mit in den Iran, wo er als Bauhelfer arbeitete. Die Rückkehr nach Afghanistan war für ihn als Jugendlicher zu gefährlich, eine Kontaktmöglichkeit gab es nicht. So verlor er vor über 13 Jahren, gerade mal als 14Jähriger, jede Spur von seiner Familie. Da Jawad weder einen iranischen Pass besaß, geschweige denn eine Aufenthaltserlaubnis hatte, wurde er aus der Islamischen Republik Iran ausgewiesen. Die Rückkehr nach  Afghanistan war jedoch keine Option. Er machte sich daher 2011 per Bus auf in Richtung Europa.

In Deutschland angekommen
Nach zwei Jahren Flucht erreichte er Deutschland, wo er inzwischen schon seit knapp 2,5 Jahren lebt. Nach der vorläufigen Erstunterbringung in Sinsheim hat er nun seit Februar 2015 ein neues Zuhause in unserer Gemeinde gefunden. „Ich will gut deutsch lernen“, sagt er selbst, um sich verständigen zu können und um eine Arbeitsstelle zu finden. Im Deutschunterricht liest er die Texte gerne freiwillig doppelt, bis sie wirklich fließend von der Zunge gehen. Neben der Sprache an sich ist eine weitere Herausforderung das Lernen der Schriftzeichen, denn Jawads Heimatsprache Dari wird nicht im lateinischen Alphabet niedergeschrieben. Derzeit besucht er zusätzlich drei Mal die Woche einen VHS-Deutsch-Kurs und sucht einen Mini-Job. In St. Leon-Rot gefällt es ihm bisher gut, er ist auch viel mit dem Fahrrad in der Gemeinde und Umgebung unterwegs. Jawad ist ein sehr offener, interessierter Mensch, der auch sehr gerne lacht, selbst dann noch, wenn das Hirn beim Pauken deutscher Verben regelrecht raucht

Yacub
Trotz des Altersunterschieds verstehen sich Jawad und Yaqub sehr gut und helfen sich gegenseitig beim Sprachenlernen, denn Yaqub hat den Vorteil, dass er während seines Studiums in Kiew sowohl Russisch als auch Englisch gelernt hat. Über die englische Sprache ist er mit unserem Alphabet gut vertraut, auch wenn er selbst sagt, dass er früher noch viel besser englisch konnte. Yaqub hatin Kiew Soziologie und Russisch studiert. Ursprünglich kommt er aus Khost im Südosten Afghanistans. Nach dem Studium in Kiew unterrichtete er als Dozent Soziologie an der Hochschule in Kabul. Schon zu Beginn der Talibanherrschaft in Afghanistan Ende der 90er Jahre war er, wie viele Intellektuelle, der Verfolgung ausgesetzt, weshalb er mit seiner Familie aus dem Land floh, eine Zeit lang in Holland lebte und dann wieder nach Afghanistan zurückkehrte. Da sich seine Perspektiven im heutigen Afghanistan nicht verbessert haben, stellte er in Deutschland einen Asylantrag. Yaqub lebt nun auch schon seit einigen Monaten in St. Leon-Rot, ein Teil seiner Familie lebt in den Niederlanden.

Yacubs Ziele
Er hat sich bereits bei verschiedenen Arbeitgebern nach einer Stelle umgesehen, allerdings kam oft die Forderung nach einem Führerschein. Seit September ist er nun in der Fahrschule angemeldet, um den Führerschein zu machen. Gemeinsam mit Gerd Schmidt übt er daher nun fleißig Führerscheinbögen. Obwohl sein Deutsch immer besser wird, ist das Verwaltungsdeutsch in den Prüfungsbögen eine große Herausforderung für ihn. Auch für Muttersprachler sind die Fragen ja nicht immer so leicht zu begreifen, aber Yaqub ist hochmotiviert. Neben Russisch, Englisch und nun auch Deutsch spricht Yaqub die afghanischen Landessprachen Dari und Paschtu. Yaqub ist 58 Jahre alt und eher ein zurückhaltender, sehr höflicher Mensch. Er freut sich, in St. Leon-Rot aufgenommen worden zu sein.

 

Bei unserem BI-Asyl-Treffen am 04. Dezember 2015 gab es zwei große Themen:

Zum einen empfing der Arbeitskreis „Freizeit“ einige Vertreter von Vereinen mit denen eine Zusammenarbeit besprochen wurde, wie der VfB St. Leon, FC Rot, Anpfiff ins Leben sowie einige private Anbieter von Aktivitäten wie „Haus der kleinen Forscher“ oder „ein Bauchtanzkurs“. Vielen Dank für die Bereitschaft und Offenheit Flüchtlinge in die Vereine zu integrieren – wir werden auf die Angebote sicher gerne zurück kommen.

Das zweite große Thema war Freifunk bzw. freies Internet in St. Leon-Rot:
„Freifunk ist eine soziale und zugleich sichere Sache – es ermöglicht freien Internetzugang für alle“, das versicherte uns Christoph Probst vom Verein Freifunk Rhein-Neckar e.V. Hört sich utopisch an? Christoph konnte uns das am vergangenen Freitag bei unserem BI-Treffen sehr anschaulich erklären.
Er setzt sich dafür ein, ein solches Netz hier in St. Leon-Rot zu etablieren, so dass auch Flüchtlinge und alle, die sich keinen Internetzugang leisten können, freien Internetzugang haben. Der soziale Gedanke gefällt uns und wir unterstützen diese Aktion.
Freifunk hat es sich zum Ziel gesetzt, ein frei zugängliches, öffentliches und durch Bürger verwaltetes Funknetz (WLAN) aufzubauen und zu betreiben. Unser Anliegen ist es, in der Gemeinde Teilnehmer zu finden, die bereit sind, einen Router (etwa 20 Euro) anzuschaffen und freies Internet zur Verfügung zu stellen. Christoph übernimmt die Einrichtung der Router, spielt die Software auf und unterstützt, wo notwendig.Er betonte immer wieder: „Alle Betreiber eines Routers sind über den Verein Freifunk vor rechtlichen Risiken geschützt“. Wer Interesse hat mitzumachen - einige sind in der Gemeinde bereits installiert - wendet sich direkt an Christoph Probst.
Mail: freifunk@probst.it
Mehr Infos: https://freifunk-rhein-neckar.de

 

 

Blumen Linder macht mit!

Vielen Dank an Jürgen Linder von der Gärtnerei Linder in St. Leon-Rot. Silvia Schau von unserer Bürgerinitiative Asyl St. Leon-Rot nahm eine Spende von 200 Euro entgegen. Herr Linder führt den Familienbetrieb in 3. Generation. Er möchte mit seiner Spende unsere Initiative und die kommenden Flüchtlinge unterstützen! Wir freuen uns!

Gemeinderatssitzung am 27.10.15

Kommenden Dienstag ist Gemeinderatssitzung um 19 Uhr. Auch bei diesem Termin wird die Flüchtlingsunterbringung wieder Thema sein. Zur Debatte steht dafür u. a. der Ausbau des Dachgeschosses im Rathaus. Außerdem auf der Agenda: der Kauf der Kramersche Mühle  - auf einem Teilareal könnte Sozialer Wohnungsbau entstehen.

Jürgen Linder und Silvia Schau bei der Spendenübergabe

 
 


Hautsache: ES ROLLT

Wir suchen Kinderräder, Damenräder, Herrenräder, Dreiräder und Laufräder - einige haben wir schon erhalten, siehe Foto.

Die wenigsten Flüchtlinge können sich ein Monatsticket für öffentliche Verkehrsmittel leisten. Um etwas mobiler zu sein und für den Weg zur Schule, zu Kursen, Behörden oder auch für einen Ausflug in die Gegend, sind Fahrräder das Mittel der Wahl.

Wenn Sie ein fahrtüchtiges oder leicht zu reparierendes Fahrrad für die kommenden Flüchtlinge abgeben möchten, dann schreiben SIe uns eine E-Mail: spenden@asyl-st-leon-rot.de

 
 

Wir waren dabei: Mit afghanischer Suppe beim Suppen-Sonntag der Evang. Kirche

Das Erntedankfest am vergangen Wochenende der Evang. Kirchengemeinde wurde mit einem gemeinsamen Suppen-Essen abgerundet. Dieses Mal gab es ganz neue Geschmacksrichtungen. Ein aus Afghanistan stammender, seit über 20 Jahren hier lebender St. Leon-Roter, kochte gemeinsam mit einem derzeitige Asylbewerber zwei typische afghanische Suppenvarianten, mit Kichererbsen, Hühnchen, Reis und frischem Dill. Wir waren begeistert, nicht nur von den Suppen, sondern auch von der Spende und den guten Gesprächen!...weiterlesen


Wir sagen DANKE

Herzlichen DANK auch für die tatkräftige und mentale Unterstützung aus der Bevölkerung: für das Angebot einer Wohnung, Vermittlung eines Mini-Jobs, Fahrräder, Geburtstags-Spenden, Zusagen für Vereinsgebühren, Unterstellmöglichkeit für Räder, Übersetzungsleistungen in Arabisch, Persisch, Türkisch, Englisch, Französich u.a.!!!

 

 

SAP spendet 1000 Euro

„Unkomplizierter und unbürokratischer geht es nicht“, so Holger Maier von unserer Bürgerinitiative Asyl. „Auf eine kurze Mail hin mit der Bitte um Unterstützung für unsere Bürgerinitiative, erhielten wir wenige Tage später die Zusage von Ina Daniela Weber, Corporate Social Responsibility, SAP, über die Spende eines Geldbetrages von 1000 Euro.“
Frau Weber war bei der SAP unter anderem zuständig für die Organisation der Veranstaltung „CSR Heroes’ Arena Special – Engaged for Refugees“, bei dem sich ehrenamtliche Initiativen für Flüchtlinge aus der Rhein-Neckar-Region in den Räumlichkeiten der SAP präsentieren konnten. Die Nachfrage von Seiten vieler SAP-Mitarbeiter, sich für Flüchtlinge zu engagieren, ist so groß, dass das Unternehmen in Walldorf eine Art „Marktplatz“ mit Infoständen anbot. So konnten Erfahrungen ausgetauscht und viele Kontakte geknüpft werden.

Wir bedanken uns herzlich für die Geldspende und werden diese vor allem für den Spracherwerb einsetzen...weiterlesen

 

 


Unsere Infoveranstaltung am 06.08.15

 

 


Gemeinderatssitzung am 28. Juli 2015

Gegen die - nach Beschluss der Gemeinderatssitzung am 07. Juli 2015 - geplante Unterkunft in Schiff II liegt der Gemeinde ein von 400 Bürgern gestellter Bürgerantrag vor, der derzeit geprüft wird. Voraussichtlich wird in der Ratssitzung im September über die Zulässigkeit des Antrages entschieden.

Bis dahin ist die Standortfrage der Unterbringung für die angekündigten Flüchtlinge ungelöst.

Artikel RNZ: Unterkunft St. Leon-Rot: 400 Bürger sind dagegen

Artikel über unsere Bürgerinitiative vom 17. Juli 2015

Hier geht es zum Artikel der RNZ über die Gemeinderatssitzung vom 07. Juli 2015

 

Sondersitzung des Gemeindesrats am 07. Juli 2015

In einer Sondersitzung des Gemeinderats am 07. Juli 2015 wurde für die Anschlussunterbringung ein Neubau im Gewerbegebiet Schiff II beschlossen. Bürgermeister Dr. Eger betonte die Dringlichkeit einer Lösung, unter Hinweis auf die nichtöffentlichen Vorberatungen im März 2015.

Nach einer kontroversen Debatte wurde ein Neubau mit Platz für 26 Flüchtlinge festgelegt, die Realisierung sollte bis Oktober erfolgen.

 

 

Allgemein

Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die Zahl der Personen, die in Deutschland um Asyl bitten, ist in diesem Jahr stark angestiegen. Auch nach Baden-Württemberg kommen immer mehr Flüchtlinge.

Die Unterbringung der Asylsuchende ist eine große Herausforderung. Sie erfolgt in einem dreigliedrigen System:

  1. Zuerst werden Flüchtlinge etwa 6 Wochen in einer der Landeserstaufnahmeeinrichtungen (Karlsruhe, Meßstetten, Ellwangen) untergebracht.
  2. Danach werden sie auf die Stadt- und Landkreise verteilt. Im Rhein-Neckar-Kreis sind dies Unterkünfte in Sinsheim, Neckargemünd, Spechbach, Walldorf, Waibstadt und Schwetzingen, Mühlhausen, Eberbach und Reilingen. Die Asylsuchenden bleiben in diesen Gemeinschaftsunterkünften bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens, maximal jedoch zwei Jahre.
  3. Nach Abschluss des Asylverfahrens oder nach einem Aufenthalt von maximal zwei Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft, werden die Menschen den Gemeinden zur Anschlussunterbringung zugewiesen, wie dies jetzt bei uns in St. Leon-Rot der Fall ist. Bei der Anschlussunterbringung werden alle Kreisgemeinden entsprechend eines Bevölkerungsschlüssels zur Aufnahme verpflichtet.

 

Weiterführende Links zum Thema

Die wichtigsten Fakten - verständlich und übersichtlich dargestellt, findet man auf Spiegel online

Informationen zum Thema „Asyl allgemein“ finden Sie ausführlich auf der Webseite des Integrationsministeriums Baden-Württemberg.

intern

 

 

Zum Seitenanfang